MATTEO MANCUSO schafft die Verbindung ganz verschiedener Stile

6. Mai 2026

Matteo Mancuso

MATTEO MANCUSO schafft auf seinem neuen Album die Verbindung ganz verschiedener Stile

eclipsed: Matteo, die Entstehung von „Route 96“ lief komplett anders ab als die deines Debüts. Was war konkret anders?

Matteo Mancuso: Beim Debüt gab es schlicht keine Deadline. Es ist über vier Jahre entstanden – entsprechend zogen sich die Aufnahmen extrem in die Länge. Als das Album schließlich fertig war, spiegelte es gar nicht mehr zu 100 % wider, wo ich zu diesem Zeitpunkt als Gitarrist stand. Zwischen Songwriting und finalen Takes lag einfach zu viel Zeit. Diesmal war es ganz anders: Das neue Album ist innerhalb eines Jahres entstanden. Ich begann im Oktober 2024 zu schreiben, im November 2025 war alles im Kasten – inklusive einer Tour-Phase zwischendurch. Das hat dem Ganzen eine ganz andere Energie gegeben.

eclipsed: Gab es eine Deadline?

Mancuso: Ja – zum Glück. Ohne Druck lasse ich mir zu viel Zeit. Ich würde mich selbst eher als bequem bezeichnen. Eine klare Deadline hilft mir, Entscheidungen schneller zu treffen und Dinge auch wirklich abzuschließen, statt sie ständig zu überdenken.
„Route 96“ vereint Jazz, Fusion, Latin, Rock und Funk. Was hat dich als jungen Gitarristen ursprünglich geprägt?
Angefangen habe ich direkt mit der E-Gitarre – nicht, wie viele denken, mit der Akustik. Meine ersten Einflüsse waren Classic-Rock-Bands wie Led Zeppelin, Jimi Hendrix, Van Halen und AC/DC. Mein Vater war mein erster Lehrer und hat mich an diese Musik herangeführt. Gleichzeitig hörte ich ihn zu Hause klassische Gitarre spielen – ich dachte lange, das sei einfach „die“ Art, Gitarre zu spielen. Dass man auf der E-Gitarre normalerweise ein Plektrum benutzt, wusste ich anfangs gar nicht. Also habe ich mir alles mit den Fingern erarbeitet. Als ich später vom Plektrum erfuhr, war ich zu bequem, um alles neu zu lernen – und bin beim Fingerstyle geblieben. Rückblickend war das natürlich prägend für meinen heutigen Stil.

eclipsed: Welcher Gitarrist hat dich am meisten beeinflusst?

Mancuso: Ganz klar Angus Young. Ich habe AC/DC rauf und runter gehört, seine Soli förmlich inhaliert – perfekt komponiert, direkt, effektiv. Für Rockgitarre ist das eine ideale Schule. Der eigentliche Gamechanger war dann aber Eddie Van Halen. Seine Riffs und vor allem das Tapping haben mich komplett umgehauen. Ich wollte alles Note für Note nachvollziehen – ausschließlich nach Gehör. Dabei ging es mir nicht nur um Technik, sondern auch um seinen Sound und seine Phrasierung. Eine klare Chronologie meiner Einflüsse kann ich gar nicht benennen, das lief alles eher parallel und hat sich ständig weiterentwickelt.

eclipsed: Wer war noch wichtig für dich?

Mancuso: Eric Johnson auf jeden Fall, dann Pat Metheny und Wes Montgomery – durch ihn habe ich Jazzstandards entdeckt. Außerdem Scott Henderson, Allan Holdsworth, George Benson und Frank Gambale. Diese Gitarristen haben mir die Tür zur Welt von Jazz und Fusion geöffnet und meinen musikalischen Horizont enorm erweitert.

eclipsed: Mit Steve Vai ist auf „Solar Wind“ eine weitere Gitarren-Ikone zu hören. Wie kam es dazu?

Mancuso: Das war einer der ersten Songs fürs Album. Ich hatte Steve von Anfang an im Hinterkopf und versuchte, mich stilistisch vorsichtig in seine Richtung zu bewegen – kopieren kann man ihn ohnehin nicht. Während der Aufnahmen habe ich viel mit Layern gearbeitet, um einen möglichst dichten und breiten Sound zu erzeugen. Gerade dieser Song lebt von vielen übereinandergeschichteten Rhythmus-Spuren, sowohl clean als auch verzerrt, was ihm eine besondere Tiefe gibt.

Matteo Mancuso // The Price Of Love (JTC Guitar)

Das komplette XXL-Interview ist Teil unseres Online-Abos, siehe auch https://www.eclipsed.de/de/abo

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