Die meisten verbinden ihn mit Ultravox, Band Aid und „Live Aid“. Doch Midge Ure war so viel mehr: Mitgründer von Visage, Gitarrist bei Thin Lizzy, Intimus Conny Planks und Mentor von Kate Bush – ein Mann, der die britische Popmusik der 1980er prägte. Anlässlich der Veröffentlichung seines ambitionierten Werks „A Man Of Two Worlds“, des ersten mit neuem Material sei zwölf Jahren, traf eclipsed den 72-Jährigen an der Algarve.
eclipsed: Seit wann lebst du in Portugal?
Midge Ure: Meine Frau und ich sind seit dreieinhalb Jahren hier. Die Entscheidung haben wir in der Covid-Zeit getroffen, nach dem Motto: „Wer weiß, was die Zukunft bringt? Machen wir das Beste draus und ziehen an einen Ort, an dem Isolation besser zu ertragen ist.“ So sind wir in einem Fischerdorf an der spanischen Grenze gelandet – ohne Golfplätze und Touristen.
eclipsed: Mit Bonnie Tyler und Ian Gillan als Nachbarn?
Ure: Ich habe sie hier noch nie getroffen. Wahrscheinlich bin ich schon ein paar Mal an ihnen vorbeigelaufen, ohne sie zu erkennen (lacht).
eclipsed: Du hast zwölf Jahre keine neue Musik veröffentlicht – warum jetzt gleich ein Doppelalbum mit 16 Tracks?
Ure: Ich kann nur an Musik arbeiten, wenn ich zu Hause bin und Zeit habe. Die letzten Jahre war ich viel unterwegs. Hinzu kommt, dass ich nicht mit Harry Styles oder Taylor Swift konkurriere, sondern mit meinem jungen Ich. Sprich: Ich versuche, etwas Besseres zu schreiben als in der Vergangenheit. Ob mir das gelingt, kann ich nicht beurteilen, weil ich alles allein mache. Die einzige Möglichkeit einer Einschätzung besteht darin, sämtliche Songs ein paar Wochen liegen zu lassen und dann noch einmal zu hören. In der Zwischenzeit arbeite ich an Instrumentals. So habe ich zwei Alben gleichzeitig gemacht, die wie zwei Versionen von mir sind – mit und ohne Gesang. Daher der Titel „A Man Of Two Worlds“.