Vor 50 Jahren begann ein besonderes Kapital der deutschen Rockgeschichte: Die Puhdys gaben ihr erstes Konzert in Hamburg, und bald lautete auch für andere DDR-Bands die Devise „Go West“. In die Wege geleitet wurde dies von dem westdeutschen Musikmanager Peter Schimmelpfennig, der zum einflussreichsten Grenzgänger des Musikbusiness im Kalten Krieg wurde.
Ich habe viel Geld verdient und viel verloren, was soll’s.“ Ein Satz, den so mancher äußern könnte, der aber nur selten ernst gemeint sein dürfte. Bei Peter Schimmelpfennig gibt es da kaum Zweifel, so frohgemut wie der Wahlberliner mit seinen 82 Jahren noch immer als Musikverbreiter und Musikerförderer aktiv ist – wie schon in den 60ern, als er in seiner Heimatstadt Hamburg ins Business einstieg. Als Promoter einer Hamburger Plattenfirma mit Genesis, Nazareth und Status Quo auf Tour, hat Schimmelpfennig, genannt Schimmel, die Welt von „sex, drugs and Rock’n’Roll“ miterlebt: „Okay, die Jungs von Genesis tranken nur Tee, aber bei den anderen ging es schon wild ab.“
Aus was für einer anderen Zeit Schimmel stammt, merkt man auch an Dingen, mit denen er das Musikbusiness bereichert hat. So gehörte er zu den Bootleg-Pionieren in Westdeutschland. Weil es damals kaum Livealben gab, fertigte er Anfang der 70er mit Kumpels vom Kiez in Hamburg kurzerhand einen Konzertmitschnitt des englischen Duos Hardin & York an: „Die Bootlegs habe ich in den Kofferraum meines BMW gepackt und bin von Flensburg bis München gefahren, um sie zu verkaufen.“
DDR-Rock goes West
Seine größte Pionierleistung bestand jedoch darin, Mitte der 70er Jahre DDR-Rockmusik in den Westen zu bringen. Die Initialzündung dafür erfolgte auf einer Autofahrt von seinem damaligen Wohnort Westberlin nach Westdeutschland. Als er irgendwann nur noch den DDR-Rundfunk empfangen konnte, hörte er plötzlich einen stampfenden Beat. „Geh zu ihr“ hieß der Song, der von einer Band namens Puhdys stammte. Etliche Monate später hielt er sich mit dem Blödelbarden Mike Krüger in einem Ostberliner Restaurant auf und wurde von einem DDR-Radioreporter angesprochen. Schimmel erinnerte sich an den tollen Song, fragte im Gegenzug nach den Puhdys, und der Journalist stellte den Kontakt her. Was folgte, veränderte nicht nur sein Leben als Musikagent, sondern auch das der Puhdys und anderer DDR-Bands in hohem Maße. In gewisser Hinsicht beeinflusste Schimmel die gesamte deutsche Rockszene, weil der von ihm organisierte deutsch-deutsche Austausch direkte und indirekte Auswirkungen auf die Entwicklung der Musik in beiden deutschen Staaten hatte. „Eigentlich wollte ich von den Puhdys nur ein, zwei Platten auf dem West-Markt rausbringen, ein schnelles Geschäft machen. Aber die Band überzeugte mich, dabeizubleiben. In gewisser Weise hat das auch mein Leben ziemlich verändert. Die DDR empfand ich zuvor immer als grau und grottig. Doch nun lernte ich dieses Land und seine Musiker Stück für Stück kennen.“