Mit „Pastoral“ ist Poor Genetic Material eines ihrer bisher besten Alben gelungen, voller Emotionen, Wärme und von großer kompositorischer Reife. Spielt dabei das 2023 von ihnen entdeckte Kleingruppenformat eine Rolle? Philipp Jaehne (keys), Stefan Glomb (g, b), Pia Darmstädter (fl) und Philip Griffiths (voc) gaben nicht nur dazu erhellende Antworten.
eclipsed: Ihr seid wahlweise in Groß- oder Kleinbesetzung unterwegs: als achtköpfiges Ensemble oder im Trio bzw. Quartett. Diesmal war es wieder das Kammerformat.
Philipp Jaehne: Auf die Idee mit der kleinen Besetzung kamen wir, weil Stefan und ich viel mehr Stücke schreiben, als die große Besetzung jemals aufnehmen könnte. „Elsewhere“ (2023) war ein Test, ob wir mit einer kleinen, schnell und unkompliziert arbeitenden Besetzung etwas Stimmiges machen können. Nachdem das so gut funktioniert hat, sind wir es diesmal bewusster angegangen. So konnten wir die Stärken dieser Besetzung gezielt nutzen und hervorheben, etwa mit akustischen Passagen.
eclipsed: Was hat es mit dem Titel „Pastoral“ auf sich?
Stefan Glomb: Das Pastorale hat eine jahrhundertealte Tradition in Kunst und Musik. Es geht darin um eine Fantasievorstellung von Städtern, ihr wenig realistisches Idealbild von Natur. Ausgangspunkt für einige Texte war, wie man das darin zum Ausdruck kommende Bedürfnis [nach Naturnähe] ernst nehmen kann, ohne in naive Nostalgie oder Verklärung zu verfallen. Es geht auch darum, was dem Verlangen nach einer lebbaren Beziehung zur Natur im Wege steht: Toxisches, Umgang mit Tieren, religiöse und andere Borniertheit.
eclipsed: „Pastoral“ ist euer emotional bislang intensivstes Album. Wie kommt das?
Jaehne: Lebensphasen, die man gerade durchläuft? Die Weltlage? Irgendwie spiegelt sich ja alles, was man erlebt, in der Musik und den Texten wider, die man schreibt. Am Ende hast du dann ein Album, das so stimmig und intensiv ist wie jetzt „Pastoral“.