PURE REASON REVOLUTION - Demut in Laut

4. Oktober 2026

Pure Reason Revolution

PURE REASON REVOLUTION - Demut in Laut

Mehr Krach, weniger Kitsch: Mit „Terrifying Angels“ legen Pure Reason Revolution ihr bislang unbarmherzigstes, härtestes Werk vor. Plötzlich donnern finstere Riffs durch den melodiösen New Artrock. Grungige Grimmigkeit statt erhabener Introspektion. Im Interview spricht Mastermind Jon Courtney über die ästhetischen Gegensätze, die das siebte Album seiner Band prägen – und warum selbst Engel manchmal wütend werden.

Es ist schon spät, als Jon Courtney das Videotelefonat beantwortet. Er meldet sich aus der Wohnung eines Bekannten in Montreal, wo er am vorherigen Abend noch beim ProgStorm Festival mit Pure Reason Revolution auf der Bühne stand. Er wirkt zwar erschöpft, aber froh: Das Konzert war erfolgreich. „Um ehrlich zu sein, würde ich gern viel mehr live spielen“, sagt er. „Aber das wird immer schwerer für eine Band wie uns.“ Es gibt kaum noch lukrative Gigs, wenn die Musiker aus verschiedenen Ecken der Welt anreisen müssen. Stattdessen tobt sich der Gitarrist, Sänger und Songwriter im Studio aus, wo während der vergangenen zwei Jahre „Terrifying Angels“ entstand.

eclipsed: Hallo Jon, auf dem neuen Album von Pure Reason Revolution regiert der Rock. Wie kommt’s?

Jon Courtney: Als „Coming Up To Consciousness“ [der Vorgänger von 2024; Anm.] entstand, habe ich triste Zeiten durchgemacht. Ich musste meinen Hund einschläfern lassen, außerdem wurde bei mir eine Zwangsstörung diagnostiziert, nachdem ich Asbest ausgesetzt war. Das hörte man den Songs auch an, die ruhiger waren und depressiver. Als dann die Reaktionen eher verhalten ausfielen, ärgerte mich das. Die Wut kanalisierte ich im grungigen „Spin Like Fire“, das die musikalische Marschrichtung vorgab.

eclipsed: Fiel es dir anschließend leichter, „Terrifying Angels“ zu komponieren? 

Courtney: Ich glaube schon. Ich wusste jedenfalls, dass ich meinen Zorn nicht zurückhalten musste, vielleicht auch als Reaktion auf den unterkühlten Vorgänger. Außerdem gelten wir als Prog Band, ich möchte mich musikalisch weiterentwickeln und nicht immer nur das gleiche Album aufnehmen. Diesmal geben wir uns ganz dem Metal hin, kontrastiert mit sehr fragilen Passagen. Mal engelsgleich, mal furchteinflößend – mir gefallen diese extremen Gegensätze.

eclipsed: Deswegen auch der Albumtitel? 

Courtney: Genau. Auf die Idee kam ich nach einer Ostermesse, die ich mit Freunden besucht habe. Dort sprach der Pastor in seiner Predigt über Engel und dass sie in der Bibel oft bedrohlicher beschrieben werden, als man sie sich meist vorstellt. Sie warnten die Menschen, überbrachten grässliche Nachrichten und waren gefürchtete Wesen. Ich besitze ein kleines Notizbuch, in dem ich alles aufschreibe, was mir im Alltag begegnet. Eine Phrase, die ich im Alltag aufschnappe, oder ein paar Worte aus einem Film. Irgendwie landete auch „Terrifying Angels“ [deutsch: furchteinflößende Engel; Anm.] darin. Als die Songs dann Gestalt annahmen, merkte ich, dass genau dieser Kontrast sie auszeichnet.

Pure Reason Revolution - Black-Arrow Acrobats (OFFICIAL VIDEO)

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