Man könnte meinen, Gitarren-Legende Ritchie Blackmore hätte 1976 alles erreicht. Er spielte hinter Gene Vincent und Jerry Lee Lewis, war Ziehkind von ProduzentenLegende Joe Meek und gründete Deep Purple, mit denen er endgültig in die Annalen der Rockgeschichte einging. Mit seiner nächsten Band Rainbow sollte er noch kompromissloser seinen Weg verfolgen, der schließlich im Album „Rising“ gipfelte.
Die erste Besetzung von Rainbow ist im Grunde die Band ELF, die Blackmore in den frühen 70ern als Gitarrist von Deep Purple kennenlernt. Die sind in dieser Zeit der größte Hardrock-Act der Welt. ELF spielen mit Blackmore an der Gitarre die erste Rainbow-LP ein, ursprünglich nur als Nebenprojekt gedacht. Allerdings steht Ritchie Blackmore der musikalischen Entwicklung seiner Stammband nicht gerade begeistert gegenüber: auf dem Album „Stormbringer“ (1974) wird klar, dass Bassist und Sänger Glenn Hughes und Leadsänger David Coverdale, die im Sommer 1973 zur Band stießen, eine andere Linie verfolgen als ihr Gitarrist. Ihr Einfluss steuert Purple in Richtung Soul und Funk.
Blackmore braucht Ablenkung – und bucht während der „Stormbringer“-Tour Studiozeit mit den ELF-Musikern. Blackmore: „Ich habe gemerkt, dass ich den Aufnahmeprozess so sehr genoss, dass Deep Purple für mich eine Last wurden.“ Im April 1975 verlässt Ritchie Blackmore Deep Purple und wird durch Tommy Bolin ersetzt. „Ritchie Blackmore’s Rainbow“ erscheint im Sommer 1975. In ELF-Sänger Ronnie James Dio findet er einen Gleichgesinnten, der Rainbow seinen unverwechselbaren stimmlichen Stempel aufdrücken wird. Dio erklärt: „Ritchie und ich hatten die gleichen musikalischen Tendenzen. Wir standen auf klassische Musik, vor allem von Bach. Wir wollten die mystisch-magische Aura dieser Klänge in die damals aktuelle Musik verpflanzen.“