Aus North Carolina meldet sich Chris Hathcock, wo er daheim vor einem eisigen Wintersturm Schutz sucht. Harte Umstände betreffen aber nicht nur das Wetter in seiner Heimat, sondern auch seine Musik. „Ich schreibe, wenn ich Schmerzen verspüre!“ Dieser Satz fällt im Verlauf des Interviews mehr als einmal. „Please“ nennt sich das neue Album von The Reticent, das den Kampf um die psychische Gesundheit in den Mittelpunkt stellt. Und das autobiografisch ist. „Es gibt, wie ich finde, nicht genug Musik, die sich wirklich mit diesen Themen auseinandersetzt. Wenn ich Schmerzen habe, möchte ich Musik hören, die mit mir oder für mich schmerzt.“
Und weiter: „Ich habe das Bedürfnis, Musik zu schreiben, die es mir erlaubt, mit dem umzugehen, was ich durchmache. Das Album ist ein Überlebensmechanismus.“ Harte Worte, die in harte Musik münden. Offen berichtet Hathcock von den Jahren zwischen dem Vorgänger „The Oubliette“ (2020) und „Please“: „Diese fünf Jahre zählen zu den schlimmsten meines Lebens. Mein Vater starb, meine Ehe war eine Katastrophe, ich verlor Freunde. Ich hatte die Entscheidung getroffen, dass ich nicht mehr leben wollte. Aber anstatt den Abzug zu betätigen, habe ich diese Gefühle in Musik gegossen. Es gibt kein Storytelling bei den Songs. Keine Erzählung. Ich schlitze mich einfach auf und lasse euch hineinsehen.“