Das israelische Quartett Telegraph sorgte 2018 mit seinem Debütalbum „MIR“ für Aufsehen, weil es mit ihm die Sound-Ästhetik der britischen Sphären-Progger Camel wiederauferstehen ließ. Nun legt die Band nach: „Topography Of Mind“ geht in dieselbe Richtung, verschiebt den Fokus aber hin zu komplexeren Songstrukturen. Statt songorientierter Tracks servieren Eze Sakson (keys), Tal Rubinstein (g, voc), Liran Herrnstadt (b, voc) und Avi Barak (dr, fl) vier Nummern um die elf Spielminuten. Auch wenn es mit diesen bisweilen in musikalische Irrgärten à la Änglagård geht, steht eine entspannte, verträumte Atmosphäre stets klar im Vordergrund. „Topography Of Mind“ ist ein Konzeptalbum auf zwei Ebenen.
Zum einen nimmt es den Hörer auf eine Reise durch innere Landschaften mit, wobei das Thema Erinnerungen und ihre Mysterien eine Rolle spielt: „Wir haben die 70er nicht selbst erlebt. Aber warum erinnern wir uns daran, als hätten wir sie erlebt?“, fragt Herrnstadt. Zum anderen ist es aber auch eine geografische Reise, wie Rubinstein erläutert: „Das Album entspringt aus vergangenen Erfahrungen, die Liran und ich mit uns tragen, und alle stehen mit diesem Land in Verbindung. Jedes der vier Stücke bezieht sich auf eine andere Region in Israel, doch von dort aus wird es emotionaler und abstrakter.“ Dass vieles in der Musik von Telegraph an Camel erinnert, verleugnet die Gruppe nicht. Im Gegenteil. „Wir lieben Camel“, gesteht Herrnstadt. „Als ich die Band zum ersten Mal hörte, habe ich die Wirkung zunächst nicht ganz verstanden ...“