Nicht erst seit der Geburt des Postrock-Phänomens gehört Chicago zu den innovativsten Tummelplätzen für unabhängige Musik in den USA. Trotzdem zieht es immer mehr Bands und Künstler getreu Frank Sinatras Motto „If I can make it there I’ll make it anywhere“ aus der Windy City nach New York. Jüngstes Beispiel ist das Trio Horsegirl, das den Experimentiergeist von Chicago nach New York transferierte. Eine weitere Band, die es vom Lake Michigan an den Hudson River verschlug, ist das Duo Water From Your Eyes. Nate Amos und Rachel Brown wirken eher wie die Hauptdarsteller eines Roadmovies als wie eine Rockband. Entsprechend wenig lassen sie sich einordnen. Ihr neues Album „It’s A Beautiful Place“ setzt Maßstäbe, die sich bestenfalls qualitativ, aber nicht stilistisch irgendwo zwischen Sonic Youth, Animal Collective und The Sea And Cake einordnen lassen. In ihrer eigenen Diskographie ist es gleichermaßen das experimentellste und zugänglichste Album.
Die Band sprengt alle Grenzen und definiert ihren eigenen Mittelpunkt. „Wir setzen uns eigentlich kaum aktiv mit Musik oder musikalischen Aspekten auseinander, sondern lassen uns mehr von außermusikalischen Einflüssen inspirieren“, postuliert Amos. „Literatur ist uns wichtig, aber auch bildende Kunst, Philosophie, Science-Fiction, Politik oder alltägliche Beobachtungen.“ Der Titel „It’s A Beautiful Place“ wirft natürlich Fragen auf. Sind Water From Your Eyes einfach nur ignorante Hedonisten, die sich im Sonnenschein ihres eigenen Erfolgs aalen und ihre Welt als wundervollen Ort wahrnehmen? Wohl kaum, denn erstens scheut das Duo dazu noch zu sehr das Rampenlicht, und zweitens ist ihr Album so zerklüftet wie die Straßen-Canyons von New York. Platz zum Ausruhen gibt es kaum. „Aber natürlich leben wir nicht im luftleeren Raum“, so Amos. „Die Dinge entwickeln sich nicht zum Besseren, aber wir wollen trotzdem nicht unsere Zukunft aus den Augen verlieren ...“