BURG HERZBERG FESTIVAL - Ein halbes Jahrhundert Friede, Freude, Eierkuchen

BURG HERZBERG FESTIVAL - Ein halbes Jahrhundert Friede, Freude, Eierkuchen

Der Spirit des größten deutschen Hippiefestivals ist trotz großer gesellschaftlicher und musikalischer Veränderungen über fünfzig Jahre hinweg konstant geblieben. Doch wie fing alles an? Was hat sich verändert? Was sind die Konstanten? Und was steht anno 2018 zum großen Jubiläum an? Gemeinsam mit Veranstalter Gunther Lorz zeichnen wir die historischen Eckpunkte der Zusammenkunft der alten und jungen Blumenkinder nach.

„Love & Peace“ lautet 2018 das Motto. Flowerpower. Alternative Lebensformen. Begriffe, die – so könnte man meinen – längst im Mahlstrom der neuen Medien und gesellschaftlicher Entwicklungen wie Turbobeschleunigung oder Selbstoptimierung untergegangen sind. Und doch wehrt sich eine alljährlich zusammenkommende Festivalgemeinde am Fuße des Herzbergs, zwischen den osthessischen Ortschaften Bad Hersfeld und Alsfeld, gegen den Kommerz. Diese Gemeinschaft auf Zeit setzt auf eine überaus quirlige Subkultur und hält mit vielfältiger Musik (Psychedelic, Stoner, Blues, World, Classic Rock, Folk, Prog u. a.) und Lebensvielfalt (Shiatsu-Massage, Batikworkshop, Energiebällchenmann, Coffeeshop und dergleichen mehr) rund um drei Bühnen und das Camperdorf Freak City dagegen.

Beat-Beginn und krautige Frühzeit – Kulturschock für Hessen

„So eine Art von Festival gab es vorher nicht in Deutschland, zumindest nicht in dieser Größenordnung. Das alles war sehr skurril, gleichzeitig war die Atmosphäre extrem anregend für uns. Nun gut, die Veranstalter, also die Petards, waren für Gruppen wie Amon Düül, CAN oder uns eine biedere Konfirmandencombo.“ (Mani Neumeier, Guru Guru)

Die „Traditional Hippie Convention“ hieß anfangs noch „Burg-Beat-Show“, dann „Electric Rock Herzberg Festival“. Das erste „Burg Herzberg Festival“ fand am 7. Juli 1968 statt, „um dem üblichen Popgeschehen mit deutscher Rockmusik etwas entgegenzusetzen“, erläutert Veranstalter Gunther Lorz. Viel Beatmucke und Krautrock liefen auf den ersten Zusammenkünften, es spielten Bands wie The Rattles, Guru Guru, Amon Düül II oder Tangerine Dream. Warum aber ging es 1972 erst mal nicht weiter? „Die Petards mussten sich entscheiden, ob sie Popstars oder Veranstalter sein wollten. Ihnen wurde als Musiker der Aufwand eines Festivalveranstalters zu groß.“

1972 war also Schluss, und Deutschland musste die ereignisreichen Siebziger und die poppig-bunten Achtziger ohne den Hippie-Convent überleben, bis sich in dem Fuldaer Plattenladen „Marleen“ Widerstand regte. Den großen Übergang zur Neuauflage mit Kalle Becker bis zum aktuellen Veranstalterteam skizziert Lorz so: „1991 ist es dann unter der Führung Kalle Beckers, der damit zunächst eine Platte der Might As Well auf seinem Label promoten wollte, wieder ins Leben gerufen worden. Das ging bis zum Jahr 2002. 2003 fiel es noch einmal für ein Jahr flach bzw. Becker musste einmal in den Osten nach Eisenach auswandern, bis sich, wie es so schön heißt, ein Kreis musikinteressierter Leute in Fulda zusammenfand und Burg Herzberg ab 2004 bis heute fortführte.“

Rechnet man durch, hat das Burg Herzberg Festival also erst dreißigmal stattgefunden. In den Jahren 1991 bis 2002 traten zunehmend größere internationale Acts wie Hawkwind, Gong, The Temptations, Eric Burdon oder Steppenwolf auf. Seit 2004 (Motto: „Freak Again“) geht es auf dem Herzberg konstant weiter.

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