Fünf Alben und neun Jahre lang waren Big Thief eine kauzige Indie-Folk-Rock-Band, die sich alles und jedem verweigerte – der Mainstream-Presse, dem Format-Radio und der Musikindustrie. Das Quartett aus Brooklyn regelte fast alles in Eigenregie und mutierte von Straßenmusikern und Lo-Fi-Fetischisten zu einer Truppe, die mit ambitionierten Doppelalben wie „Dragon New Warm Mountain I Believe In You“ sogar die Top 30 der amerikanischen Billboard-Charts knackte. „Es hat etwas von einem großen Abenteuer – und ich genieße jede einzelne Minute davon“, schwärmt Sängerin Adrianne Lenker, die ihre eigene Popularität – auch als LGBTQ-Aktivistin – immer noch nicht fassen kann. Doch der Bruch mit Bassist Max Oleartchik und die grandiose Album-Kooperation „Dance Of Love“ mit Tucker Zimmerman vom Sommer 2024 haben etwas verändert: Big Thief öffnen sich nun externen Einflüssen und Ideen, arbeiten mit anderen Musikern und verkriechen sich zum Songwriting nicht länger in die sprichwörtliche Wildnis.
Während die Vorgänger am Lagerfeuer irgendeiner entlegenen Holzhütte entstanden, ist „Double Infinity“ das Ergebnis einer dreiwöchigen Session in den legendären Power Station Studios in New York City – mit sieben bis acht zusätzlichen Musikern, zu denen auch Eno-Intimus Laraaji zählt. „Er ist eine Koryphäe in Sachen Ambient- und Drone-Sounds, was wir für ein spannendes, neues Element hielten“, so Adrianne Lenker. „Natürlich hatten wir anfangs Zweifel, ob das funktionieren könnte – und wie. Doch wir haben es einfach probiert – und es war ein riesiger Spaß.“ Insgesamt 126 Stunden Musik hat das – nunmehr – Trio mit seinen Gästen aufgenommen – endlos lange Jams, acht Stunden täglich, bei denen ursprünglich minimalistische Folkrock-Skelette mit einem breiten Instrumentarium zu einem hypnotisch-dichten Fluss aus bewusstseinserweiternder Musik wurden.