BIOSCOPE - Filmische Klanglandschaften

BIOSCOPE - Filmische Klanglandschaften

Es ist ein überraschendes Joint Venture, bei dem Marillions Gitarrenheld Steve Rothery und Synthie-Zauberer Thorsten Quaeschning von Tangerine Dream gemeinsame Sache machen. Mit „Gentō“ liegt das Debüt dieses außergewöhnlichen Projektes vor. Wir sprechen mit Rothery und Quaeschning über das Konzept, den Sound und den filmischen Charakter des Albums sowie LiveAuftritte und die weitere Zukunft.

Kennengelernt haben sich Rothery und Quaeschning 2018. Ein erstes Treffen in Berlin im Studio von Tangerine Dream und gemeinsame Auftritte 2022 bei einigen Tangerine-Dream-Konzerten in England folgten. Der Plan zu einem gemeinsamen Projekt wurde nach Jahren der Entwicklungsarbeit in einer fünftägigen Session in Rotherys Heimstudio im Südwesten Englands fertiggestellt. Herausgekommen sind fünf Instrumentaltracks, inspiriert von der Faszination für das Bewegtbild. Natürlich ist die Musik angetrieben von den bekannten Synthie- und Sequenzer-Klängen im Stil der Berliner Schule sowie den schneidenden Gitarrenklängen, die dem Progressive Rock entstammen.

eclipsed: Für langjährige Tangerine-Dream- und Marillion-Fans ist Bioscope eine Überraschung … 

Thorsten Quaeschning: Unsere erste gemeinsame Session hat halt gleich gut funktioniert. Dann wurde es aufgrund unserer Terminkalender und Tourpläne schwierig. Normalerweise trafen wir uns jedes Jahr im Dezember für eine Woche. Irgendwann war klar, dass wir dieses Album abschließen mussten. Wir wollten echte Drums hinzufügen und baten Alex Reeves von Elbow, das Ganze fertigzustellen. 

Steve Rothery: Alles war ein sehr einfacher und entspannter Prozess. Die gesamte Zusammenarbeit zwischen Thorsten und mir basiert auf Improvisation, und wir inspirieren uns gegenseitig. Ich denke, unsere Musikgeschmäcker überschneiden sich ziemlich stark. Und ich liebe seine Herangehensweise, den Einsatz von analoger Technologie und echten Keyboards, zusammen mit modernen Plugins. Die Tracks haben sich nach und nach auf sehr natürliche Weise entwickelt. Als Alex dazukam, hat er diese organische Ebene hinzugefügt: wie ein Jazz-Schlagzeuger, im Gegensatz zu einem bombastischen Rock-Schlagzeuger. Das passte viel besser zu den Stimmungen und Texturen, die wir geschaffen hatten.

eclipsed: Ihr beide seid bekannt für eindringliche, aber ganz unterschiedliche Sounds. Wie wolltet ihr eure Markenzeichen zu einem funktionierenden Sound zusammenbringen? 

Rothery: Es war wie ein musikalisches Gespräch, bei dem wir beide das taten, was wir tun, und gemeinsam diese Art von Magie entwickelten, die entsteht, wenn zwei verschiedene Welten aufeinanderprallen.

eclipsed: Haben euch die TD-Konzerte von 2022 eine Vorstellung davon vermittelt, wie ihr zusammenarbeiten könnt? 

Rothery: Wir hatten da herausgefunden, wie die Chemie zwischen uns funktioniert. Bei den langen Zugaben, den „Sessions“ – wenn man zu etwas spielt, das man nicht vorab kennt –, war es, wie wenn ein Zauberer Kaninchen aus dem Hut zieht. (lacht)

Lest mehr im aktuellen Heft ...