Hört man das neue – zweite – Album der US-Band Firmament, fühlt man sich gelegentlich an das Londoner Progmetaller-Sextett Haken erinnert: komplexe Kompositionen, virtuose Saiten-Beiträge, trick- und einfallsreiche Drums. Dass dies alles allein von den Brüdern Eric und Brandon Carbenia bewerkstelligt wurde, ist kaum zu glauben. Die beiden haben jedoch aus der Not eine Tugend gemacht und zeigen sich pragmatisch und trickreich. Wie sie zum Duo wurden, was es mit dem Bandnamen und dem Konzept des aktuellen Werks „A New World If You Can Take It“ auf sich hat (samt ausgedehnter Ausflüge in Esoterik und Kosmologie), und auf welch ungewöhnliche und pragmatische Weise die beiden kollaborieren, offenbart Eric Carbenia im Interview.
eclipsed: Wie seid ihr auf euren Bandnamen gekommen? Was wollt ihr mit ihm ausdrücken?
Eric Carbenia: Als wir zusammenkamen, haben wir nicht wirklich über einen Namen für die Band gesprochen. Aber als dann unsere erste Show anstand, stellten wir eine Liste mit Namen zusammen, von denen wir dachten, dass sie funktionieren könnten, und „Firmament“ war das, worauf wir uns einigten. Das „Firmament“ ist ein Konzept, das im Buch Genesis der Bibel zu finden ist. Es handelt sich dabei um eine Kuppel, die bei der Erschaffung der Erde das „Wasser oben“ und das „Wasser unten“ trennte. In diesem Sinne wird das Wort von den Flachmachern und biblischen Kreationisten verstanden, aber wir verwenden es in einer viel metaphorischeren Weise. Es gibt viele Dinge, die zwischen uns und dem „Himmel“ stehen, von persönlichen Problemen, die uns davon abhalten, unser Potenzial auszuschöpfen, bis hin zur Lichtverschmutzung, die die Sterne vom Himmel verschwinden lässt. Es könnte sich aber auch um eine massive Holoprojektionskuppel handeln, die dazu dient, unsere wahre Realität zu verschleiern – wer weiß?
eclipsed: Ihr habt ursprünglich als Quartett angefangen, aber jetzt seid ihr nur noch zu zweit. Sehr ungewöhnlich für eine Metal-Band. Wie kam es zu dieser Entwicklung? Konnte es euch keiner recht machen?
Carbenia: Das ursprüngliche Line-up bestand aus uns beiden und unseren langjährigen Freunden Alex Herstine und Matt Spradling. Wir probten ein paar Abende in der Woche und spielten schon recht früh erste Konzerte. Nach der Veröffentlichung unseres ersten Albums „Spirit Of Place“ bekamen wir die Möglichkeit, auf Tour zu gehen. Ich glaube, dass es da Spannungen gab, weil andere Mitglieder der Band nicht sicher waren, ob sie diesen Weg weitergehen wollten. Ich kann es ihnen nicht verübeln, es ist hart, und es gibt sehr wenig Geld dafür. Aufgrund dieser und anderer Spannungen beschlossen wir, eine Pause einzulegen. In dieser Zeit zogen Brandon und ich nach Austin, Texas. Als wir schließlich wieder anfingen, Firmament-Material zu schreiben, waren wir nur zu zweit, und wir taten es schrittweise, schickten Dateien hin und her und bauten die Songs auf eine Weise, die mit weniger Leuten am besten funktionierte. Es ergab sich also ganz natürlich, ein Duo zu bleiben.
eclipsed: Gibt es ein bestimmtes Muster, wie die Songs bei euch entstehen?
Carbenia: Meist stellt Brandon das Grundgerüst des Songs zusammen, und wir bauen darauf auf. „A New World If You Can Take It“ wurde Stück für Stück geschrieben, das heißt, wir fingen einen Song an, stellten ihn fertig und veröffentlichten ihn, um dann zum nächsten überzugehen. Während ich die Musik an unseren Mastering-Engineer Jens Bogren schickte und das Stück dann promotete, begann Brandon mit dem nächsten Song. Das half uns, einen guten Fluss zu bekommen, und ermöglichte es uns, Singles regelmäßiger zu veröffentlichen, so, wie es die Algorithmen der heutigen Streamingdienste bevorzugen.