Seit Mitte der 1960er Jahre ist Francis Rossi Kopf der legendären Boogie-Rock-Institution Status Quo. Dieser Tage bringt der Brite mit „The Accidental“ ein neues Soloalbum heraus, das die meisten seiner Fans ziemlich überraschen dürfte. Die Gründe dafür und warum es eher unwahrscheinlich ist, dass seine Hauptband noch einmal auf Tour geht, erklärte der Sänger und Gitarrist uns in einem exklusiven Gespräch.
Interview: Oliver Kube
eclipsed: „The Accidental“ ist großteils purer Old-School-Rock’n’Roll, mitunter aber auch sehr bluesig. Ein deutlich anderer Stil als auf deinen bisherigen Solo-Werken…
Francis Rossi: Ja, die Platte ist ein reines Spaß-Projekt. Ich habe darauf die Musik gemacht, an der ich selbst am meisten Freude habe. Da ich, als wir an den Songs gearbeitet haben, keinerlei Absicht hatte, sie zu veröffentlichen, kamen bei mir keine Gedanken im Hinblick auf Publikumserwartungen auf. Wenn wir eine Quo-Platte machen, ist von vornherein klar, wie sie klingen muss. Andernfalls würden wir nämlich mächtig etwas auf den Deckel bekommen. Solo war das bisher ähnlich, nur dass hier von mir erwartet wurde, andere Töne als bei Quo anzuschlagen. Egal, ob Country, Folk, Pop – es durfte bloß keine Überschneidung mit dem Quo-Sound geben. Das war schon grotesk.
eclipsed: Die Platte ist in Zusammenarbeit mit dem Gitarristen Hiran Ilangantilike entstanden. Woher kennt ihr euch?
Rossi: Hiran ist schon lange ein guter Freund der Familie. Ich kannte ihn bereits als kleinen Jungen. Mein drittgeborener Sohn ging mit ihm zur Schule, und er war oft bei uns zu Besuch. Ich habe miterlebt, wie Hiran Gitarre lernte und zu einem richtig guten Musiker wurde. Seit einer Weile spielen wir hin und wieder zusammen, nur so zum Spaß.
eclipsed: Und wie ist daraus „The Accidental“ entstanden?
Rossi: Hiran kam irgendwann mal wieder bei mir vorbei. Das lief wirklich prima, und wir sammelten einen Haufen Ideen. Am Ende hatten wir drei Songs fertig komponiert und als Demos aufgenommen. Hiran fragte mich, ob wir sie veröffentlichen sollten. Das wollte ich aber nicht. Was soll man mit drei Songs machen? Außerdem wollte ich keine Platte mehr herausbringen – jedenfalls nicht auf absehbare Zeit. Ich wollte mich von der letzten Quo-Tour und meinen Soloshows erholen, vielleicht etwas faulenzen. Aber dann fragte mein Label an, ob wir neue Musik hätten, weil sie gern ein weiteres Quo-Album herausbringen wollten. Hatten wir aber nicht. Dann fragten sie nach einem neuen Soloalbum. Auch da sagte ich, dass ich nichts auf Halde hätte. Das Einzige seien diese drei Tracks, die ich mit Hiran geschrieben hatte. Ich sollte sie ihnen schicken, was ich etwas widerwillig tat. Am nächsten Tag hieß es, dass sie unbedingt ein Album mit Songs in dieser Richtung haben wollten. Ich rief Hiran an, fragte meine Quo-Kollegen Rhino [Edwards, Bassist] und Leon [Cave, Drummer], ob sie Lust hätten – und hier sind wir nun…