2026 ist ein Grobschnitt-Jahr. Vor 50 Jahren veröffentlichte die Kult-Rockband eines der ersten progressiven Alben in deutscher Sprache: „Jumbo“. Zugleich wollen die drei Gründungsmitglieder Gitarrist Lupo, Drummer Eroc und Sänger Willi „Wildschwein“ auch ihr 55-jähriges Bandjubiläum feiern. Anstoßen kann man mit ihnen auf der JubiläumsKinofeier des „Solar Music Live“-Remixes am 11. April in Hagen. Wir haben die drei Musiker zu allen Feierlichkeiten befragt.
eclipsed: 1976 waren deutsche Texte im Rock und Prog immer noch die große Ausnahme. Warum seid ihr plötzlich auf deutschen Gesang gewechselt und habt „Jumbo“ sogar ein zweites Mal aufgenommen?
Willi: Die gleiche LP in zwei Sprachen aufzunehmen war eine Idee der Plattenfirma. Bis dahin hatten wir auf allen Alben immer nur auf Englisch gesungen. Der Reiz des Neuen überwog dann aber die anfängliche Skepsis.
Eroc: Da wir aus den Sechzigerjahren stammen, wo es üblich war, als Band angloamerikanisch aufzutreten, hatten wir englische Texte beibehalten. Zumal das auch besser singbar war als das sperrige Deutsch.
eclipsed: Waren die progressiven Kollegen von Novalis oder ein Udo Lindenberg, der schon ab 1972 auf Deutsch sang, eine Inspiration?
Lupo: Nein, obwohl in unserer Stammkneipe in Hagen „Alles klar auf der Andrea Doria“ von Udo rauf- und runterlief.
Eroc: Aber mit Novalis konntest du uns jagen! (lacht)
eclipsed: Das gleiche Album in zwei Sprachen war ein absolutes Novum. Wie haben das die Fans damals aufgenommen?
Lupo: Vor uns hatte in Deutschland keine andere Band ein Album in zwei Sprachen veröffentlicht, und die Grobschnitt-Hardcore-Fans kannten uns nur mit englischen Texten und waren anfangs irritiert. Wir konnten durch die Radio- und Live-Präsenz aber viele neue Fans gewinnen, die Grobschnitt bis dato noch nicht auf dem Schirm hatten. Unsere Plattenfirma kam gar nicht mehr mit dem Pressen hinterher, und 50 Jahre später ist die deutsche „Jumbo“-Version immer noch Kult.