Seit über 40 Jahren sind IQ eine der treibenden Kräfte der progressiven Musik. Die Band zeichnet dabei in erster Linie der Mut zur ständigen Weiterentwicklung aus, ohne dass sie jemals ihren im Neoprog verwurzelten Sound über Bord geworfen hätte. Im Rahmen von zwölf regulären Studioalben sowie dem einen oder anderen Nebenwerk haben sich in diesen über vier Jahrzehnten Dutzende wunderbare Songs angesammelt, die eclipsed mit einem exklusiven Ranking würdigen möchte. Hierfür hat unsere Redaktion über dem opulenten Gesamtwerk der Band gebrütet, darüber hinaus haben wir aber auch die Band selbst und nicht zuletzt auch die eclipsed-Leser zu ihren Favoriten befragt.
Auf die einfache Frage nach ihren fünf Lieblings-Tracks folgt vom Gitarristen und musikalischen Mastermind Mike Holmes und von Frontmann Peter Nicholls erst mal nur Schweigen; nicht, dass die stets höflichen IQ-Veteranen keine Lust auf die Frage hätten, im Gegenteil: „Es ist so viel… wo sollen wir anfangen“, lacht Holmes auf vorsichtiges Nachhaken. Die Einigung: Jeder der beiden sucht sich im lockeren Gespräch einen Song pro Phase bzw. Album aus. Bei den beiden Platten mit P.L. Menel am Mikro hält sich Nicholls süffisant grinsend zurück: „Kein Kommentar“, und auch Holmes bleibt – anders als bei allen anderen Alben, bei denen er munter drauflosplaudert, in Bezug auf die „Pop-Jahre“ schmallippig: „Vielleicht ‚Common Ground‘? Wo ist der noch mal drauf? Der hat ein schönes Gitarrensolo.“ Anders liegt der Fall bei den Anfängen der Band: „Wenn wir über die 80er sprechen, möchte ich meine Vorliebe für ‚The Last Human Gateway‘ unterstreichen. Ich finde, so einen Song als ersten aufs erste Album zu packen, ist ein Statement“, meint Nicholls. Einigen können sich beide auf den „Wake“-Track „Headlong“. „Es war ein aus Zeitgründen zusammengewürfeltes Stück, aber die Geschichte zeigt, dass dies die besten IQ-Songs sind“, erklärt Holmes lachend.
Interessant ist, wie die Musiker durchaus kritisch mit ihrem Katalog umgehen. So zweifelt Nicholls etwa an den Qualitäten des „Dark Matter“-Longtracks „Harvest Of Souls“: „Ich bin nicht so zufrieden mit dem Stück. IQ stehen in der Regel dafür, unterschiedliche Stimmungen auszuloten, gerade in Longtracks, und hier geht mir das alles zu sehr in eine Richtung. Mir fehlt die Dramatik.“ Zu diesem Song hat nicht nur Holmes eine andere Meinung – für ihn zählt er zu den Highlights des IQ-Katalogs –, sondern auch Ex-Keyboarder Martin Orford, den wir separat befragten: „Das Stück hat so viele verschiedene tolle Melodien und Segmente. Die Auflösung am Ende ist spektakulär.“ Die andere Lieblings-Nummer Orfords ist, auch hier ist er sich mit Holmes einig, „Leap Of Faith“: „Hier ist es vor allem die zweite Hälfte, die fantastisch geworden ist, diese ganzen unerwarteten Wendungen…“ Während Holmes im Gespräch eher die musikalisch komplexeren Klassiker der Band favorisiert, sieht Nicholls seine Favoriten eher aus emotionaler Perspektive und nennt auch mal abseitigere Songs.