PETER HAMMILL - Sag niemals nie

PETER HAMMILL - Sag niemals nie

2017 erschien Peter Hammills letztes Solo-Studioalbum mit eigenen Songs, „From The Trees“. In den letzten Jahren widmete er sich verstärkt der Pflege seines Backkatalogs. Nun veröffentlicht er sein neues Werk „Tears In Time“. Die lange Albumpause ist für einen Musiker, der zuvor bekannt für seinen beträchtlichen Output war, mehr als ungewöhnlich – zumal man Hammill seine bald 78 Jahre zwar äußerlich deutlich ansieht, seine Energie aber ungebrochen scheint. Wir sprachen mit ihm über das Album sowie diverse andere Themen aus seinem Musikkosmos.

eclipsed: Warum mussten wir so lange auf neue Musik von dir warten? Von Ende der 1960er bis Mitte der 2010er Jahre hast du permanent neues Material veröffentlicht. 

Peter Hammill: Es kamen da einige Faktoren zusammen. Erstens waren wir gezwungen, [2022] die Van-der-Graaf-Generator-Tournee abzubrechen, weil ich mich in [Fürth bei] Nürnberg einer Notoperation unterziehen musste. Außerdem war da noch Covid: Zu der Zeit nahm ich das Coveralbum „In Translation“ auf, weil ich eigentlich vorhatte, ein neues VdGG-Album zu schreiben, aber ein Zusammenspielen wegen der Pandemie ja nicht richtig möglich war. Daher musste ich mich irgendwie beschäftigen. Und dann merkte ich schließlich, dass das, was ich da geschrieben hatte, leider keine Van-der-Graaf-Songs waren. Ich habe dafür ein sehr gutes Gespür, was für die Band passt und was sich eher als Solomaterial eignet – und das, was ich komponiert hatte, hätte mit der Band nicht funktioniert. Also wurde es letztlich eben ein Soloalbum.

eclipsed: Viele Van-der-Graaf-Fans werden enttäuscht sein, dass „Do Not Disturb“ von 2016 wohl das letzte Album in der Geschichte der Band sein wird… 

Hammill: Ich habe in meiner langen Karriere gelernt, dass man nie „nie“ sagen soll. Mir ist durchaus bewusst, dass mein Alter recht fortgeschritten ist und mir nur noch eine begrenzte Anzahl an Lebensjahren bleibt. Andererseits will ich nicht ausschließen, dass in fernerer Zukunft doch noch eine VdGG-Platte entstehen könnte, so seltsam das in meinem Fall klingen mag. (lacht) Nur gibt es zum jetzigen Zeitpunkt keine Songs dafür.

eclipsed: Die Songs auf dem neuen Album „Tears In Time“ wiederum sind nicht alle so neu, auch wenn das kolportierte Gerücht, es handle sich um eine bloße Sammlung von Archivmaterial, wohl nicht ganz der Wahrheit entspricht. Klingt das treibende „Heavy Weather“ beispielsweise deswegen so stark nach deinem Album „Out Of Water“ von 1990? 

Hammill: Ja, das ist tatsächlich aus jener Phase. Aber auch hier ist es nicht so einfach. Im Grunde habe ich bei „Tears In Time“ durchaus auf vorhandenes Material zurückgegriffen. Es handelt sich dabei aber vor allem um Instrumentalexperimente, die ich innerhalb meines Werks immer als „Sonix“ bezeichne. Früher habe ich diese dann irgendwann als Instrumentalalben herausgebracht, jetzt habe ich vorhandene Fragmente aber teilweise als Grundlagen für die neuen Songs verwendet. Bei „Heavy Weather“ und „Tabula Rasa“ war tatsächlich vieles schon fertig, bei anderen Songs gab es lediglich Grundlagen, andere wiederum sind ganz neu. „Heavy Weather“ erschien ja auch schon vor ein paar Jahren [2022, Anm.] im Rahmen eines Projekts zur Unterstützung der Ukraine.

For A Rainy Day

Lest mehr im aktuellen Heft ...