20 Musiker, 11 reguläre Alben, 5 Grammys – die Karriere von Snarky Puppy wirkt wie ein gigantischer Fiebertraum. In über zwei Jahrzehnten hat sich die Jazzband zu einer etablierten Größe des Fusion entwickelt, vereint Funk mit progressiven und orchestralen Elementen. Auf „Somni“, der zweiten Zusammenarbeit mit dem Metropole Orkest, erforschen die Amerikaner um den Komponisten Michael League jetzt die Welt des Schlafes.
Januar 2025. Das Cabourg a Gogo in Utrecht platzt an drei Abenden aus allen Nähten. 70 Musiker, alle in Weiß gekleidet, stehen im Raum verteilt, dazwischen drängen sich Zuschauer. Hinzu kommen noch eine Handvoll Kameramänner und -frauen, ein Team aus Toningenieuren und ein Dirigent. Dort entsteht „Somni“, das aktuelle Album von Snarky Puppy. Unterstützt wird das texanische Fusion-Ensemble dabei von dem Metropole Orkest, einer Art alternativem Orchester aus Holland unter der Leitung des Briten Jules Buckley. Purer Maximalismus, quasi.
Wenn Jazz auf Klassik trifft, ist vor sich hin dudelnder Fahrstuhl-Muzak meist nicht fern. Aber nicht so bei Snarky Puppy. Schon vor zehn Jahren arbeiteten sie mit dem Metropole Orkest zusammen, das daraus resultierende Album „Sylva“ verhalf ihnen zu ihrem ersten Grammy – und war alles andere als Easy Listening. Darauf boten sie überraschend agile, grenzüberschreitende Klänge, die sich bei eingängigem Funk, virtuosem Jazz und packendem Progrock bedienten und sich konzeptuell mit dem Waldsterben auseinandersetzten.
Das Mastermind und wie es die Welt sieht
Es folgten mehrere Alben, kaleidoskopische Jazz-Odysseen, die Anspruch mit Eingängigkeit verbanden, zuletzt erschien „Empire Central“ von 2022. „Unser bis dato diversestes Werk“, sagt Michael League. Der 41 Jahre alte Bassist ist so etwas wie das Herzstück, der Spiritus Rector von Snarky Puppy. Aus seiner Feder stammt ein Großteil der Stücke, und er arbeitete bereits mit dem Who’s Who des anspruchsvollen amerikanischen Pop: David Crosby, Erykah Badu, Steely Dan, Joe Walsh, Michael McDonald. Doch Snarky Puppy ist etwas Einzigartiges. „Wir operieren wie ein Orchester“, erklärt League. „Ich habe schon immer davon geträumt, für ein großes Ensemble zu komponieren. Mit Snarky Puppy erfülle ich mir diesen Traum.“