WHEEL - In der Härte liegt die Hoffnung

8. Mai 2024

Wheel

WHEEL - In der Härte liegt die Hoffnung

James Lascelles war immer schon ein Musiker, der mit seiner Meinung zu gesellschaftspolitischen Themen nicht hinter dem Berg hält. Auch auf „Charismatic Leaders“, dem dritten Album seiner Band Wheel, hat er einiges zu sagen.

Finnland ist die Wahlheimat des Briten, der sich aus seiner Wohnung in Helsinki meldet. Einige Tage zuvor war das Land vom „World Happiness Report“ zur Nation mit den „glücklichsten Menschen“ gekürt worden. Allerdings hört sich das, was Lascelles und seine beiden – finnischen – Mitmusiker auf „Charismatic Leaders“ abliefern, alles andere als sorglos-zufrieden an.

eclipsed: Warum entsteht in einem solch glücklichen Land wie Finnland ein solch hartes und teilweise auch düsteres Album? 

James Lascelles: (lacht) Ja, Finnland ist schon eine ganze Weile an der Spitze. Aber lass mich die Gegenfrage stellen: Wie definiert sich dieses Glück? Wenn du die ganze Zeit glücklich bist, fühlt es sich nicht mehr wie Glück an. Sondern wie die Normalität. Freude ist das Gegenteil von Traurigkeit, und es ist die Befreiung aus der Spannung. Ohne auch mal traurig zu sein, kannst du nicht glücklich sein. Interessant ist: Es gibt in der finnischen Kultur diese tieftraurige Melancholie. Die auch bei mir mitschwingt.

eclipsed: Auf jeden Fall seid ihr wütender denn je. Schließlich bezeichnest du „Charismatic Leaders“ als euer „Heavy-Album“. 

Lascelles: Es sitzt meiner Meinung nach in der Mitte zwischen den beiden vorherigen. Wir behielten die Lebendigkeit von „Resident Human“, aber es hat auch etwas von dieser industriell-harten Produktion, die „Moving Backwards“ besaß. Dazu kommt, dass die ersten Ideen einfach sehr hart waren.

eclipsed: Ist es ein Konzeptalbum?

Lascelles: Wie schon bei den Alben zuvor würde ich sagen: Es ist fast eines. Vier Stücke stehen unter derselben Überschrift, wenn du so willst. Das zentrale Thema ist das des „charismatischen Führers“, mit dem normalerweise der Kopf eines Kultes beschrieben wird. Es geht um einen spezifischen Stil der Manipulation, wenn du zum Beispiel zu einer Menschenmenge sprichst. Wenn Täuschungen verwendet werden, nur um zu verhindern, dass deine Grundsätze hinterfragt werden. Seit 2016 sehe ich, dass so etwas überall auftaucht. Nicht nur in der Politik. Sondern beispielsweise auch in der Populärkultur. Ja, sogar bei Marken. Denk an Apple. Wenn du eines seiner Produkte kritisierst, reagiert manch einer so, als wenn du seiner kleinen Schwester ins Gesicht geschlagen hättest. Was veranlasst uns, aus allem gleich einen Kult zu machen? Ich hielt mir damit auch einen Spiegel vor. Ein gutes Beispiel ist die Impfdiskussion während Covid. Ich war definitiv auf der Seite derjenigen, die dafür waren und fragten: „Wie kann es sein, dass das jemand nicht macht?“ Seitdem habe ich allerdings Menschen kennengelernt, die schwere Impfschäden davontrugen ...

Wheel - Empire (Official Music Video)

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