Mit WHISPERS OF GRANITE leben zwei Menschen ihre nachdenkliche Seite aus

Mit WHISPERS OF GRANITE leben zwei Menschen ihre nachdenkliche Seite aus

Der Bayreuther Keyboarder Andreas Hack drückte der Prog-Formation Frequency Drift seinen Stempel auf. Die in Oslo lebende Sängerin Trude Eidtang stand bei den Progmetallern White Willow am Mikro. Nun kommen die beiden künstlerisch zusammen. Als Whispers Of Granite haben sie ihr erstes Album „Liquid Stone“ am Start. Im Interview erzählen die beiden, wie es zu der außergewöhnlichen Zusammenarbeit kam und wie diese im Detail aussah. Es macht Spaß, dabei zu erfahren, wie sehr diese beiden Künstlerseelen im Gleichklang schwingen. 

eclipsed: Auf den ersten Blick scheint eure Zusammenarbeit ja ziemlich unwahrscheinlich. Wie kam es zu dem gemeinsamen Projekt? Wer war der Initiator und was war/ist das Ziel des Ganzen?

Andreas Hack (AH): Nach dem Ende von Frequency Drift wollte ich nach meinem Instrumental-Projekt Feeling Of Presence etwas mit einem Sänger machen. So ist es zu Haven Of Echoes gekommen, auf deren ersten beiden Alben Paul Sadler gesungen hat. Allerdings merkte ich, dass ich auch gern wieder etwas mit einer Frauenstimme machen wollte. Da kam mir Trude in den Sinn, denn sie war auf eine gewisse Weise für den Namen „Frequency Drift“ verantwortlich. Als ich damals eines Nachmittags über einen Namen für die noch unbenannte Band nachdachte, hörte ich das Lied „Joyride“ von White Willow. Während ich so nachgrübelte, hörte ich plötzlich im Text laut und deutlich den Begriff „Frequency Drift“. Der Name war gefunden! Da mir Trudes Gesang auf White Willows Album „Signal To Noise“ schon immer sehr gefallen hatte, dachte ich mir, ich könnte Trude einfach mal kontaktieren und fragen, ob sie Interesse an einer Zusammenarbeit hätte. Das hatte sie. Wir haben ungefähr drei Jahre an dem Album gearbeitet und freuen uns riesig, dass es jetzt endlich erscheint.

Trude Eidtang (TE): Es war eine große Freude, eine E-Mail von Andreas mit einem Vorschlag zur Zusammenarbeit zu erhalten. Seine Nachricht war aufrichtig und herzlich, und ich fühlte mich sofort inspiriert, Teil des Projekts zu sein. Zu dieser Zeit befanden wir uns mitten in der Pandemie, und die meisten musikalischen Aktivitäten waren zum Erliegen gekommen. Ich war gerade von einem Künstleraufenthalt in Nordnorwegen zurückgekehrt, wo ich an neuen Ideen gearbeitet hatte. Als ich zum ersten Mal eines von Andreas’ Instrumentalstücken hörte, musste ich tatsächlich zweimal hinhören – es kam mir seltsam vertraut vor, fast so, als würde es etwas widerspiegeln, das ich gerade geschrieben hatte. Dieses Gefühl der unerwarteten Synchronizität war sowohl überraschend als auch aufregend. Es gab mir das Gefühl, dass wir kreativ auf einer Wellenlänge waren, noch bevor wir auch nur eine einzige Idee ausgetauscht hatten.

eclipsed: Seht ihr das Ganze eher als Band oder als Projekt?

AH: Ich hoffe, es ist etwas Permanentes, von daher sehe ich es eher als eine Band. Perspektivisch planen wir auch Liveauftritte, und ich arbeite eigentlich auch schon an Songs für ein zweites Album.

TE: Ich stimme vollkommen zu. Ich hoffe wirklich, dass sich daraus etwas Dauerhaftes entwickeln kann, und wir haben definitiv vor, es auf die Bühne zu bringen. 

eclipsed: Der Name Whispers Of Granite ist sehr originell. Wer ist darauf gekommen, und was möchtet ihr damit ausdrücken? Er klingt ein bisschen esoterisch, als hätten Steine und Mineralien auch ein Bewusstsein. Ist das so gemeint?

AH: Ich glaube, der Vorschlag für den Namen stammte von mir. „Liquid Stone“, der Titel des Albums stand schon länger fest, und ich überlegte, ob man daraus nicht einen interessanten Namen für die Band ableiten könnte. In dem Albumtitel steckt ja schon ein Gegensatz, nämlich der von Unbewegtem, dem Stein, und Bewegtem, also dem Flüssigen. Also habe ich nach etwas Ähnlichem für den Bandnamen gesucht. Hier ist der Gegensatz Stein, also Stille, und Flüstern, also Geräusch. Diese Idee fand ich recht reizvoll.

TE: Ich würde sagen, dass sowohl die Texte als auch die Gesangsarrangements definitiv einen Hauch von Esoterik enthalten – in einigen Stücken stärker als in anderen. Ich lasse mich oft von der Natur, der Mythologie und sowohl überlieferten als auch modernen kulturellen Erzählungen inspirieren. In einer Zeit wie der unseren, in der so viel Unsicherheit und Lärm herrscht, finde ich es sehr wertvoll, sich alten Geschichten und vergessenem Wissen zuzuwenden. Sie bieten eine Art Prisma – etwas, durch das wir schauen können, um die Gegenwart besser zu verstehen und vielleicht sogar eine andere Zukunft zu imaginieren.

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