MOTORPSYCHO - Jenseits der Vorstellungskraft

16. März 2016

Motorpsycho

Bent Sæther ist ein sehr freundlicher Zeitgenosse, der klar und artikuliert über seine Band Motorpsycho und deren Philosophie spricht. Das Lob, mit dem wir das Interview einleiten, macht ihn tatsächlich etwas verlegen. Anders als viele andere Künstler scheut er sich nicht, offen über Zweifel an der eigenen Arbeit zu sprechen. Doch die braucht er gar nicht zu haben, denn auch „Here Be Monsters“ ist wieder ein Meilenstein in der Motorpsycho-Saga, ein Werk, das zwar mit leiseren Tönen daherkommt, aber trotzdem, um mit Sæthers Worten zu sprechen, erhaben klingt.

eclipsed: Motorpsycho veröffentlichen ihre Alben nahezu im Jahresrhythmus und halten dabei konstant ein erstaunlich hohes Niveau. Wie schafft ihr das?

Bent Sæther: Oh, vielen Dank für das Kompliment! Ich würde uns als solide arbeitende Band bezeichnen, die das macht, nach dem sie sich gerade fühlt. Das Wichtigste für uns ist, dass wir nicht damit anfangen, in einen Wettbewerb mit uns selbst zu treten, also zu schauen, wie gut die letzte Platte angekommen ist, um dann das gleiche Rezept zu verwenden. Was wir machen, soll ehrlich und rein sein, und vor allem soll es genau dem Moment seines Entstehens verhaftet sein. Wir schauen nie zurück, so versuchen wir, die Qualität zu halten. Eine Wiederholung würde das künstlerische Moment zerstören.

eclipsed: Das neue Album „Here Be Monsters“ entstand ja aus einer Auftragsarbeit. Ihr solltet etwas zum einhundertjährigen Bestehen des Technischen Museums in Norwegen komponieren.

Sæther: Die Anfrage ehrte uns sehr, und wir sagten zu. Der Auftrag bestand darin, ein zweistündiges Musikstück zu komponieren und es vor Ort bei einem Festakt aufzuführen. Wir hatten nicht so viel Zeit und schrieben das Stück in einer intensiven zweiwöchigen Session. Das erklärt, dass es sehr kongruent war und einen bestimmten Vibe hatte, der sich durch die Komposition zog. Da es sich um eine einmalige Sache handelte, entschlossen wir uns, es zu einem Album zu machen, denn es wäre schade um die Musik gewesen.

eclipsed: Ihr habt gegenüber der Originalkomposition dann aber doch einige Sachen verändert.

Sæther: Ja, vor allem, was die Arrangements und die Texte angeht. Das aufgeführte Stück war überwiegend instrumental. Das lag nicht zuletzt daran, dass wir für ein Technisches Museum ja Texte über Technik hätten schreiben müssen, was nicht so unser Ding ist. Dazu kam, dass Ståle Storløkken, mit dem wir die Arbeit komponiert und aufgeführt hatten, wegen anderer Verpflichtungen nicht an den Aufnahmen zum Album teilnehmen konnte. Das Ergebnis ist, dass die Platte weniger jazzig, dafür textlastiger und rockiger ist und, ja, doch wieder mehr nach Motorpsycho klingt.

Motorpsycho - Spin, Spin, Spin

Lesen Sie mehr im eclipsed Nr. 179 (April 2016).