Interviews hasst er wie Schmierseife – Journalisten sowieso. Ginge es nach Joe Jackson, würde er am liebsten nur seine Musik sprechen lassen. Doch anlässlich seines neuen Albums „Hope And Fury“, das an die Pop-Klassiker der 70er und 80er anknüpft, macht der 71-jährige Brite eine Ausnahme: Er bittet zum kurzen Talk in seine zweite Wahlheimat Berlin – und kann bisweilen richtig humorvoll sein; wenn er denn will…
eclipsed: Joe, warum gibst du kaum Interviews? Was ist so schlimm daran?
Joe Jackson: Weil ich das schon so lange mache – und einige Sachen irgendwann nerven. Zum Beispiel, wenn ich nach fünf Minuten mit jemandem merke, dass er oder sie keine Ahnung hat, wer ich bin und was für Musik ich mache. Da denke ich: Lohnt es sich überhaupt, hier Zeit zu investieren? Das passiert leider oft.
eclipsed: Dann ist der Ruf der männlichen Diva ein reines Missverständnis?
Er ist ein wenig in die Jahre gekommen. Joe Jackson war von Anbeginn ein Künstler, dem Jugendlichkeit nicht viel bedeutete. Auf seiner neuen Studioarbeit „Fool“ hält der britische Stilwandler Rückschau auf seine Laufbahn, die vor vierzig Jahren mit dem Album „Look Sharp!“ begann, und auf ein gutes Jahrhundert klassisches Songwriting von George Gershwin über die Beatles und Kinks bis in die Gegenwart.
Als wir Joe Jackson im Dezember in einem Berliner Hotel gegenübertreten, ist er gegenüber dem letzten Interview, das wir mit ihm führten, sichtlich gealtert. Er wirkt erschöpft und bewegt sich schwerfällig (er habe die Nacht zuvor schlecht geschlafen, erfahren wir hinterher). Damit steht die Momentaufnahme seines Erscheinungsbildes in krassem Gegensatz zu der Kraft und Vitalität, die sein neues Album „Fool“ verströmt.
Sieben Jahre lang hat Joe Jackson kein Album mit eigenen Songs mehr veröffentlicht. Zwischendurch gab’s lediglich eine Hommage an den großen Duke Ellington. In den vergangenen Jahrzehnten hat der Brite ja in verschiedenen Revieren gewildert: Von Pop über Jazz bis zu Klassik probierte er alles aus. Fans seines filigranen Songwriter-Pop verschreckte diese bodenlose Vielseitigkeit mit fortschreitender Dauer – auch wenn sein letzter originärer Songzyklus „Rain“ bis heute unterschätzt ist. Dass „Fast Forward“ allerdings ein derart inspiriertes, wundervolles, in seiner Vielseitigkeit überraschendes „Song-Album“ werden würde, hätten wohl auch die größten Verehrer seiner Kunst nicht erwartet.
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