ELOY - Schwerter, Schlachten und Scheiterhaufen

15. September 2017

Eloy

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Eine zweiteilige Rockoper, ein sogenanntes spectacle musical und ein Roman – für das ambitionierteste Projekt in der fast fünfzigjährigen Geschichte der niedersächsischen Progressive-Rock-Band Eloy hat deren Gestalter Frank Bornemann seine Kräfte gebündelt. „The Vision, The Sword And The Pyre, Part I“ ist in jeder Hinsicht ein wuchtiges Werk. Es dreht sich um die heilige Jeanne d’Arc, die den königlichen Truppen Karls VII. zu einem Sieg über die Engländer und Burgund verhalf und damit den Hundertjährigen Krieg entscheidend beeinflusste und 1431 nach einem Schauprozess auf dem Scheiterhaufen endete.

Der 72-jährige Sänger, Gitarrist und Songschreiber Bornemann hat offenkundig sorgfältig gearbeitet – die musikalische Huldigung kann sich hören lassen. Die Chöre kommentieren und verstärken die gesprochenen und gesungenen Texte, sie schaffen aber auch eine gewichtige Atmosphäre. Das klingt füllig, auch mal wuchtig und trotzdem differenziert und niemals überladen. Wir trafen Frank Bornemann in seinem Studio in Hannover.

eclipsed: Johanna von Orléans war eine furchtlose, kämpferische Frau, eine Bauerstochter, die vor 600 Jahren für ihre Heimat in den Krieg gegen die Besatzer zog. Warum inspiriert sie bis heute so viele Künstler?

Frank Bornemann: Weil sie das beeindruckendste weibliche Wesen ist, das die Geschichte der Menschheit bislang hervorgebracht hat. Wenn man sich auf diese Figur einlässt, kann man gar nicht anders, als von ihr fasziniert zu sein.

eclipsed: Du hast den Anspruch, die ganze Wahrheit über Jeanne d’Arc zu erzählen. Was verrätst du, was andere verschweigen?

Bornemann: Ich habe mich mit unheimlich viel Literatur, den Prozessakten und Dokumentationen zu Jeanne d’Arc beschäftigt. Fast alle geben ihre Geschichte sehr komprimiert und lückenhaft wieder. Auf ihre Persönlichkeit und was in ihr vorging, gehen sie meist gar nicht ein. Die inzwischen leider verstorbene Historikerin Régine Pernoud, die ich noch persönlich kannte, machte es zum Glück anders. Sie ist für mich die Einzige, die Jeanne d’Arc verstanden hat. Auch [der Bonner Historiker] Heinz Thomas hat ein bemerkenswertes, historisch sehr gut recherchiertes Buch geschrieben. Er glaubt zum Beispiel, dass eine Magersucht zu ihrem Verhalten beigetragen hat.

eclipsed: Wie hältst du es mit der historischen Wahrheit?

Bornemann: Auch ich halte mich sehr eng an die historischen Fakten. Sie hat zum Beispiel nicht nur eine Schlacht – wie die in Orléans, von der immer die Rede ist, wenn ihr Name fällt – geschlagen, sondern deren viele. Am Ende hat Charles VII jedoch verhindert, dass Jeanne mit ihrer Armee auch in Paris erfolgreich einmarschiert ist. Sie begann daraufhin, ohne den König zu handeln, und versuchte, bedrohten Städten zu Hilfe zu kommen. Dabei wurde sie selber gefangen genommen.

Lest mehr im eclipsed Nr. 193 (09-2017).

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