Fragt man Musiker nach den Gründen für eine unverhältnismäßig lange Pause zwischen der Veröffentlichung ihrer Alben, so bekommt man meist zur Antwort, man habe mal eine Pause gebraucht, Covid sei dazwischengekommen oder die Tour sei zu lang und kraftraubend gewesen. Nicht so bei Gazpacho, deren letztes Album „Fireworker“ ganze fünf Jahre zurückliegt. An eine Tour war wegen der Pandemie nicht zu denken, sodass man eines jener Live-Konzerte ohne Publikum inszenierte, an dessen Abmischung man dann sehr lange gesessen hat. Doch der Hauptgrund für die Pause war ein anderer: „Wir haben ein anderes Album komponiert als das, was du jetzt in Händen hältst“, erklärt Keyboarder und Mastermind Thomas Andersen. „Es ging darum, dass ein Asteroid auf die Erde krachen wird, und darum, was die Menschen dann mit ihrer verbleibenden Zeit anstellen. Mit dem Ergebnis, dass niemand sein Verhalten groß ändert. Kommt dir die Geschichte bekannt vor?“ Andersen lacht verschmitzt, denn natürlich ist dies der Plot des erfolgreichen Spielfilms „Don’t Look Up“ aus dem Jahr 2021 mit Leonardo DiCaprio.
„Das hat uns kalt erwischt. Da konnten wir natürlich schlecht ein Jahr später eine Platte zum selben Thema rausbringen, also haben wir das weit fortgeschrittene Projekt in die Tonne getreten und ganz neu angefangen.“ Das neue Thema lautete Schicksal, und auf „Magic 8-Ball“ erzählt die Band acht Kurzgeschichten um Menschen, welche dieses herausfordern oder von ihm heimgesucht werden. Wie komplex die Herangehensweise ist, wird deutlich, wenn man gebannt Andersens langen Ausführungen zum Thema lauscht, in denen er unter anderem klarmacht, dass „wir eine technisch bzw. wissenschaftlich sehr weit fortgeschrittene Spezies sind, aber spirituell befinden wir uns weiterhin auf dem Niveau von Höhlenmenschen. Wir haben den Fortschritt umarmt, aber spirituell haben wir uns nicht nur nicht weiterentwickelt, wir haben Gott aus unserem Leben verbannt und zahlen jetzt den Preis dafür. Denn wenn dir das Schicksal in die Quere kommt, etwa in Form einer schweren Krankheit, dann hast du keinen spirituellen Halt mehr, sondern musst dich damit abfinden, dass du Pech hattest und dein Nachbar nicht!“