Schon auf ihrem letzten Studioalbum, dem sinfonischen Konzeptwerk „The White Witch“, auf dem auch ältere Stücke neu interpretiert wurden, hatte die Retroprog-Band, bestehend aus Christina Booth, Robert Reed und Chris Fry, ein okkultes Thema gewählt. Das nagelneue Album „Tarot“ widmet sich nun den rätselhaften Wahrsagekarten. Der walisische Multiinstrumentalist und Bandchef Robert Reed gibt Auskunft über das neue Werk.
eclipsed: Wie seid ihr an das neue Studioalbum herangegangen?
Robert Reed: Im Grunde ist es das erste neue Studioalbum mit komplett neuen Stücken seit „Masters Of Illusion“ von 2020. Ich habe nach einer neuen Ausrichtung gesucht und bin zum Anfang zurückgegangen, als Magenta gegründet wurde. Da waren vor allem Renaissance mit ihrer Sängerin Annie Haslam das Vorbild für Magenta, eine starke Sängerin in einer Prog-Band. Ich dachte mir, lasst uns zu dieser ursprünglichen Idee zurückkehren, dieser Mischung aus Orchester und Sängerin sowie der Bassgitarre, oft im Vordergrund, im Stil eines Chris Squire bzw. Jon Camp. Diese Art Bass, den ich spiele, und das Schlagzeug von Nick D’Virgilio verleihen „Tarot“ ein Rückgrat, das wir auf früheren Alben nicht hatten. Das Ergebnis ist das von Anfang bis Ende konsistenteste Magenta-Album.
eclipsed: Die Orchester-Sounds kommen stark. Sind das echte Instrumente oder nur deine Keyboards mit Samples?
Reed: Letzteres, aber es sind die besten Samples, die man kriegen kann. Als ich das „The White Witch“-Album machte, habe ich mir das Wissen angeeignet, um alles wie ein echtes Orchester klingen zu lassen. Bei den Arrangements der Streicher waren ELO ein riesiger Einfluss. Ich liebe ihre Art, wie sie das gemacht haben. Auf dem Album gibt es definitiv Anspielungen auf ELO, Renaissance sowie die frühen Moody Blues und Camel. Doch wenn Christina singt, Chris die Leadgitarre übernimmt und ich schreibe und anderen Instrumente spiele, kommt trotzdem Magenta pur heraus.
eclipsed: Wie immer ist die Musik für die Stimme von Christina Booth maßgeschneidert. Für dich ein Leichtes, oder?
Reed: Lustig, dass du das sagst, aber auf dieser Platte ist es das erste Mal, dass ich das tatsächlich gemacht habe. Normalerweise schreibe ich einen Song und höre ihn in meinem Kopf Peter Gabriel oder Roger Waters singen.