„Cricklewood Green“ von Ten Years After gilt als Klassiker der Rockgeschichte. Gerade wurde das legendäre Album aus dem Jahr 1970 als remasterte Deluxe Edition auf Doppel-CD sowie Doppel-LP neu veröffentlicht. Grund genug, bei Drummer und Gründungsmitglied Ric Lee nachzufragen, wie es damals war, als die Band kurz nach dem geschichtsträchtigen Auftritt beim Woodstock-Festival in den Londoner Olympic-Studios das mit Abstand spannendste Album ihrer Karriere einspielte.
An einem regnerischen Tag Ende August haben wir Ric Lee endlich an der Telefonstrippe. Der Drummer und langjährige Bandleader von Ten Years After ist gerade sehr beschäftigt, denn die medienwirksame Wiederveröffentlichung von „Cricklewood Green“ beschert ihm rund um die Uhr Interviewanfragen aus aller Welt. Auf die Frage, ob er sich noch gut an die Zeit der Veröffentlichung der LP im April 1970 erinnern könne, muss der 80-jährige Rockveteran erst einmal laut lachen: „Wie sollte ich diese Zeit wohl jemals vergessen können? Nur wenige Wochen zuvor war der Woodstock-Film in den amerikanischen Kinos gestartet und entwickelte sich schnell zu einem Welterfolg. Unser Auftritt in Woodstock war im Film ja nur mit einem einzigen Song berücksichtigt worden, aber diese rund zehnminütige Liveversion von ‚I’m Going Home‘ beeindruckte die Leute im Kino so sehr, dass unsere Bandkarriere von da an buchstäblich durch die Decke ging!“
Woodstock als Schlüssel zum Welterfolg
Als im Mai 1970 die Dreifach-LP „Woodstock: Music From The Original Soundtrack And More“ in die Läden kam, wurde der Rummel noch größer, denn der energiegeladene Auftritt der Band galt neben jenem Joe Cockers mit „With A Little Help From My Friends“ als einer der absoluten Höhepunkte des gesamten Festivals. Ten-Years-After-Frontmann Alvin Lee avancierte mit seiner knallroten Gibson ES-335 samt aufgemaltem Peace-Zeichen über Nacht zum weltweit verehrten Gitarrenhelden, der in eine Reihe mit Rockgrößen wie Jimi Hendrix, Eric Clapton, Jimmy Page und Jeff Beck gestellt wurde.