„Wohl der größte Instrumentalist in der Geschichte der Rockmusik“ – so würdigt die Rock and Roll Hall of Fame in Cleveland, Ohio, die Kunst des 1942 in Seattle, Washington, geborenen Sohns einer Familie mit kunterbunter Ahnenreihe. Neben dem Superlativ schwingt hier auch ein kleiner Zweifel mit. War James Marshall Hendrix ein überlebensgroßes Genie oder auch ein wenig Scharlatan? Wir gehen auf Zeitreise ins Jahr 1966.
Als Jimi Hendrix zum ersten Mal in London auftrat, versetzte er die Zuhörer in Erstaunen – und später hat anscheinend jeder Musiker und Konzertbesucher, der damals etwas auf sich gehalten hat, felsenfest behauptet, bei diesen unglaublich berührenden frühen Auftritten des Gitarristen dabei gewesen zu sein.
Eric Clapton aber war damals definitiv vor Ort. Das kann auch der deutsche Radio- und TV-Moderator Peter Urban bestätigen. Im Gespräch mit eclipsed erinnert er sich: „Ich hatte bei einem Preisausschreiben ein Flugticket gewonnen und konnte so im Sommer 1966 von Amsterdam nach London-Heathrow fliegen. Eine tolle Gelegenheit, die schillernde Londoner Rock-Szene eine Woche lang etwas näher kennenzulernen. Tagsüber streifte ich durch die Plattenläden, abends ging es in die Clubs oder ins Theater. So landete ich eines Tages, Anfang Oktober, in einem College-Saal in der Upper Regent Street. Dort, im Polytechnic, gaben Cream ein beeindruckendes Gastspiel. Mitten im Konzert kündigte Eric Clapton dann einen Gast an, der gerade in London angekommen sei, dessen Namen ich aber anfangs nicht verstand. Ein hellbrauner Typ mit Wuschelhaar-Frisur betrat die Bühne und entfachte ein Gitarren-Feuerwerk, indem er beim Blues-Klassiker „Killing Floor“ seine Gitarre mit seinen Fingern, mit dem Mund und seinen Zähnen bearbeitete. Wie es aussah, war Clapton, der sich im Hintergrund der Bühne aufhielt, von der Show-Einlage des Gastes nicht sehr amüsiert. Nach einem Song wurde der Gast höflich, aber bestimmt von der Bühne verabschiedet. Später haben viele behauptet, Eric Clapton habe aus lauter Frust die Bühne verlassen. Das stimmt so aber nicht. Er stand die ganze Zeit dort oben, nur sein Gesicht – das sprach für sich.“