„Phaedra“ hatte 1974 mit seinen immersiven Mellotron-Klangwolken, den hypnotischen Moog-Sequenzerläufen und weiteren psychedelischen Zutaten den typischen Berliner-Schule-Elektronik-Sound erstmals zur Reife gebracht. Auch international waren Tangerine Dream damit erfolgreich, gingen auf Tour durchs UK und improvisierten an den damals noch unzuverlässigen Synthesizern auf Teufel komm raus. „50 Years Of Phaedra: At The Barbican“ ist die aktuelle Live-Veröffentlichung, die dieses bahnbrechende Werk ehrt. Thorsten Quaeschning gibt Auskunft.
eclipsed: Warum habt ihr bei den „50 Years Of Phaedra“-Konzerten die Song-Reihenfolge genau umgekehrt?
Thorsten Quaeschning: Die Intention war, es konzertant runder zu formen. Ein Konzert setzt andere Situationen voraus als zu Hause ein Album zu hören.
eclipsed: Was war bei der Live-Interpretation der Ansatz? Den mächtigen Titeltrack gibt es nicht in der Originalversion, dafür aber gleich in drei unterschiedlichen Bearbeitungen, vor allem als Inspiration für die mehr als halbstündige „Hippolytos“-Session. Warum so
Quaeschning: Unser Hauptaugenmerk war, die Stücke des Albums in der ersten Hälfte komplett zu spielen und das mit einer Session zu ergänzen, die das Titelstück einbettet. Bei der Vorbereitung überlegten wir, wie wir es live umsetzen, ohne ihm etwas wegzunehmen, und welche Dinge wir hinzufügen können, ohne die eigentliche Intention des Stückes zu verwässern. Das Unperfekte der Originalaufnahme von ’74 ist ein wesentlicher Schlüssel zum Charme und Zauber dieser Musik. Es gab zu dieser Zeit keine digitalen Echogeräte. Allerdings: Als wir es moderner, besser gesagt, präziser der aktuellen Technik angepasst nachspielten, verlor es den Charme. Dann haben wir durch langsame, unregelmäßige Modulation versucht, diesen Charme wiederherzustellen. Im Fall von „Phaedra“ waren aber die schnellen Echos, Tempo und Tonart ziemlich klar festgelegt, nämlich D-Moll. Die Schnelligkeit variierte am Ende abhängig von der Raumgröße und Beschaffenheit des Veranstaltungsortes von 118 bis 154 BPM.
eclipsed: Ist Ähnliches auch mit den Nachfolgealben „Rubycon“ und „Ricochet“ geplant?
Quaeschning: Das hatte ich vor. Leider fand es so in dieser Form nicht statt. Immerhin haben wir in diesem Jahr schon in Tromsø „50 Years Stratosfear“ gespielt. „Rubycon“ und auch „Ricochet“ hätten wir bereits im letzten Jahr spielen müssen.