1976 war der Start einer ganz und gar ungewöhnlichen Band. Mit dem Alan Parsons Project verwirklichte der Tontechniker von „The Dark Side Of The Moon“ seine eigene Musik. Gemeinsam mit Kreativpartner Eric Woolfson vertonte Parsons beim Debüt die Schauergeschichten des Edgar Allan Poe. „Tales Of Mystery And Imagination“ ist ein Höhepunkt des Symphonic Rock und glänzt bis heute mit außergewöhnlichen Sounds und audiophiler Produktion. Wir lüften Schritt für Schritt die Geheimnisse und erzählen die Geschichte des Jahrhundertalbums inklusive großem Exklusivinterview mit Alan Parsons, Würdigung von Eric Woolfson und tiefergehender Blicke auf Poe sowie das Album-Artwork.
Und so habe ich diese Fantasie festgehalten, in der alles, was wir sehen oder zu sehen glauben, nur ein Traum innerhalb eines Traums ist.“ Diese geheimnisvollen Zeilen aus dem Werk Edgar Allan Poes (aus: „Marginalia“, 1845–49) erklingen, wenn man sich heutzutage das Debütalbum von The Alan Parsons Project anhört [siehe Kasten zu Poe]. Die warme Stimme des Erzählers, die da so eindringlich wie einfühlsam rezitiert, ist die von Orson Welles, einer Filmlegende, der das Meisterwerk „Citizen Kane“ (1941) schuf und für die 1938 großes Aufsehen erregende Hörspiel-Version von „Krieg der Welten“ verantwortlich zeichnete. Dabei war diese kongeniale Einführung in den Kosmos des berühmten Schauerliteraten auf der Originalversion von „Tales Of Mystery And Imagination“ vom Juni 1976 noch gar nicht enthalten, sondern erst im Remix von 1987. Der Grund war schlicht, dass die Aufnahmen von Welles zu spät bei der Plattenfirma eintrafen, die Platten bereits gepresst wurden und sie so nicht mehr verwendet werden konnten, obwohl das von Beginn an so vorgesehen war.
„Das Project kommt!“ – ein mysteriöses Album-Projekt
Von Beginn an umwehte The Alan Parsons Project ein Hauch von Mystery, der perfekt für die Vertonung der unheimlichen „Geschichten voller Geheimnisse und Vorstellungskraft“ von Poe war. Mysteriös war das Project aber nicht nur wegen dieses Mystery-Albums, sondern weil es zudem ein neues Interpreten-Genre schuf: das Produzenten-Album [siehe auch Kasten: Interview mit Alan Parsons]. Kein Sänger oder Instrumentalist war das „Gesicht“ dieser Band, wie das etwa beim ebenfalls von Parsons produzierten Debüt „Rebel“ von John Miles der Fall war, das kurz vor „Tales…“ erschien und mit „Music“ schon einen musikalischen Vorgeschmack auf das Alan Parsons Project gab. Die beiden kreativen Köpfe dieses Projektes agierten visuell im Hintergrund. Und so war bereits die Ankündigung des Albums mit kryptischem Spruch auf Plakatwänden ein geheimnisvoller Event. Im Planetarium von Los Angeles, dem Griffith Observatory, wurde „Tales…“ erstmals vorgestellt, und da konnten sie nun doch auch gleich die gesprochenen Worte von Welles verwenden. Alan Parsons rückblickend: „Das kam wirklich gut an. Und wir hatten eine Lasershow im Planetarium. Damals etwas ganz Besonderes.“ Auch der im Booklet visuell präsentierte „Taped Man“, eine Art Mumie, umhüllt mit dem Material, aus dem ein Tontechniker wie Parsons quasi „gemacht“ ist, erschien leibhaftig.