BIG BIG TRAIN - Zug der Jungakademiker

31. Juli 2019

Big Big Train

BIG BIG TRAIN - Zug der Jungakademiker

Eine Grand Tour war eine kulturelle Tradition im 17. und 18. Jahrhundert, eine Art Bildungsreise für Jungakademiker aus begütertem Hause. Zum Abschluss ihrer Studien machten sie sich auf, um künstlerisch herausragende Stätten in ganz Europa zu besuchen. Sie besichtigten historische Denkmäler und Bauwerke und diskutierten später über die auf der Reise gesammelten Eindrücke. Big Big Train klinken sich mit ihrer neuen Platte in diese Tradition ein und unternehmen eine Grand Tour in Vergangenheit und Gegenwart.

Big Big Train mögen einen der doofsten Namen in der Rockszene besitzen, doch die Musik des Septetts berührt mit einnehmenden Progressive-Klängen. Gegründet 1990, nahm der Zug immer mehr Fahrt auf, um jetzt gleichberechtigt neben Neoprog-Größen wie IQ, Arena, Marillion oder Spock’s Beard zu stehen. Die letzte Band als Referenzpunkt erstaunt nicht, sitzt doch seit 2007 Spock’s Beards Nick D’Virgilio bei BBT hinter der Schießbude. Der 50-Jährige ist der einzige Amerikaner bei dem britischen Projekt, von dessen jüngsten Album „Grand Tour“ er schwärmt.

eclipsed: Habt ihr versucht, die Grand-Tour-Tradition in die Gegenwart zu holen?

Nick D’Virgilio: Wir haben uns nicht auf diese Eigenheit in der menschlichen Geschichte reduziert. Unser Haupttexter Gregory Spawton ist sehr belesen und zudem ein großartiger Lyriker, der es liebt, in die Geschichte einzutauchen, um die daraus gewonnenen Erkenntnisse in einen aktuellen Kontext zu stellen. In „Grand Tour“ werden einige Begebenheiten aus der Vergangenheit erzählt. Vor allem geht es jedoch ums Reisen im Heute. Das Lied „Alive“ etwa handelt vom universellen Gefühl des Unterwegsseins. Darum, dass man seinen Alltag hinter sich lässt, wenn man on the road ist. Und darum, dass man sich in dieser Situation unglaublich lebendig fühlt.

eclipsed: Was sind die Unterschiede zum letzten Album „The Second Brightest Star“?

D’Virgilio: So groß sind die meiner Meinung nach nicht. Aber es ist so, dass wir uns als basisdemokratische Institution sehen. Was bedeutet, dass sich jeder zu 150 Prozent in dieses Projekt einbringt. Und je länger wir zusammen agieren, desto weiter entwickeln wir uns und unsere musikalische Vision. Der ständige Austausch und der sich ständig erweiternde Erfahrungsschatz sind unser höchstes Gut.

eclipsed: „Grand Tour“ ist die erste Platte ohne Gründungsmitglied Andy Poole. Wie hat sich das bei der Arbeit niedergeschlagen?

D’Virgilio: Andy ist ein prima Kerl und hat für viele Jahre den Sound der Band geprägt. Doch er war nicht der einzige prägende Charakter. Bei uns hat jedes Mitglied die gleichen Möglichkeiten, sich ins kreative Geschehen einzubringen. Das fiel Andy am Schluss nicht ganz leicht zu verstehen. Daher war seine Entscheidung, Big Big Train Anfang 2018 zu verlassen, nur folgerichtig.

Voyager

Lest mehr im aktuellen Heft ...