Devin Townsend hat in seiner Karriere schon so manch ambitioniertes Werk gestemmt, „The Moth“ ist aber zweifellos das bisher größte und zeitintensivste. Weit über 100 Musiker waren an dem Progmetal-Musical beteiligt, darunter das 70-köpfige Noord Nederlands Orkest samt 60-köpfigem Chor sowie langjährige Wegbegleiter wie Anneke van Giersbergen und Steve Vai. Im Gespräch erzählt Townsend von besonderen Herausforderungen, aber auch Ähnlichkeiten zu anderen Projekten – und der Zeit danach.
eclipsed: Erinnerst du dich noch an den Tag, als du „The Moth“ final abgeschickt hast?
Devin Townsend: Das war am 31. Dezember 2025, also erst vor ein paar Monaten. Wenn ich als „letzte“ Deadline Zeit bis zum 31. Dezember habe, dann wird das Album am 31. Dezember um 23:59 Uhr abgeliefert. Es gibt das Sprichwort: „Ein Mix ist nie vollkommen fertig, man muss einfach aufhören.“ Am 31. Dezember habe ich aufgehört.
eclipsed: Das war das Ende von über zehn Jahren Arbeit. Wie hat eigentlich alles angefangen?
Townsend: Wenn sich eine Idee bei mir entwickelt, passiert das schleichend, während ich mit etwas anderem beschäftigt bin. An das Gefühl, als ich spürte, dass es „The Moth“ heißen sollte, dass es sich um Wandel drehen, düster und orchestral werden soll, erinnere ich mich noch, aber nicht an den genauen Moment. Meine Art zu komponieren unterscheidet sich vielleicht von der vieler anderer. Ich arbeite nicht monatelang am selben Werk, sondern setze mich für ein paar Stunden an den Computer, probiere Dinge aus und vergesse sie dann wieder. Am nächsten Tag mache ich etwas anderes und vergesse auch das wieder. So sammeln sich jede Menge Ideen mit Potenzial an. Der erste Song, an dem ich schließlich für „The Moth“ weiterarbeitete, war „Home At Night“. Bis dahin dauerte es aber Jahre. Ich mache Kleinigkeiten an sehr vielen verschiedenen Baustellen über sehr lange Zeiträume hinweg.
eclipsed: Du hast in der Vergangenheit schon andere Projekte mit Handlung umgesetzt, etwa „Ziltoid“ oder „The Retinal Circus“. Unterschied sich „The Moth“ in der Herangehensweise?
Townsend: Es war ähnlich. Storylines gibt es in fast all meinen Werken. Egal, ob „Empath“, „Casualties Of Cool“, „Synchestra“ oder „Devlab“. Das Publikum muss sie gar nicht kennen, sie sind vor allem für mich wichtig. Es gibt einen Handlungsbogen, sodass ich weiß: Hier sollte es intensiver werden, dort traurig, da gewalttätig. Auf dieser Basis gehe ich meine Demos durch und schaue, was passt. Wie bei einem Malbuch. Ich fülle einfach die Lücken aus.