Smokemaster aus Köln tragen einen feierlichen Namen. Da passt der Titel des dritten Albums der Psychedelic-Rocker, „In The Temple“, perfekt. Doch von welchem Tempel spricht die Band da? Wie hat sich die Musik der Kölner Jungs weiterentwickelt? Wie sind sie mit dem Verlust ihres Sängers Björnson Bear zurechtgekommen, und welche inhaltlichen und musikalischen Themen bietet ihr neues Werk? Fragen, die uns Schlagzeuger Lukas Bönschen und Bassist Tobias „TobMaster“ Schmidt, beide Gründer der Band, im Interview beantworten.
eclipsed: In welchem heiligen Tempel befinden wir uns denn auf eurem neuen Album?
Lukas Bönschen: In welchem immer du magst. Das ist schön in deinem Kopf.
eclipsed: Was soll dann das Cover symbolisieren?
Tobias „TobMaster“ Schmidt: Ja, genau das. Der Tempel, wenn du mal das Cover anguckst… im Hintergrund sind da tatsächlich Tempel wie Gotteshäuser, so ein chinesischer, griechischer oder ägyptischer Tempel. Und dieser Kopf mit den Leuten, die um ihn herumtanzen, das soll ein bisschen den inneren Geist und herumschwirrende Gedanken symbolisieren.
Bönschen: Wir schicken dem Grafiker immer unsere Musik zu. Das ist das Gemälde von Lasse Schulze aka White Trash. Das ist das, was er daraus gemacht hat, eine künstlerische Interpretation unserer Musik.
eclipsed: Wie seid ihr an das dritte Album herangegangen?
Schmidt: Unser erstes Album war ja sehr experimentell und so typisch 70er-Jahre-Krautrock, mit sehr langen Instrumentalpassagen, viel Gejamme, tatsächlich live improvisiert. Und dann mit dem zweiten Album haben wir schon stärker darauf gesetzt, auch richtige Songs zu schreiben. Für das dritte Album wollten wir einfach noch mehr in diese Richtung gehen, ein bisschen eingängiger, zugänglicher für ein breiteres Publikum werden, aber trotzdem im Sound in der Psychedelic-Rock-Richtung bleiben.
Bönschen: Das erste Album war im Grunde einfach unser Live Set, das wir auf Platte gebracht haben. Jetzt beim dritten Album hatten wir wirklich sehr viel Demo-Material, sodass wir Stücke auch ausgewählt haben, die zueinander passen. Das war vielleicht ein Pool von 40, 45 Ideen, und am Ende haben es dann neun Songs aufs Album geschafft.
eclipsed: „In The Temple“ produziert noch mehr „heiligen Rauch“ aus den Sixties. „No Other One“ tönt unverschämt so, als ob man das Stück von einer der großen Beatbands kennen würde. „Sounds From The Ether“ enthält mit vielen psychedelischen Effekten Syd-Barrett-Atmos pur. Bei „Under The Sun“ ist man mit Sitar und Flöte wie bei den Beatles gänzlich stoned. Wolltet ihr tatsächlich noch mehr Sixties-Lavalampen-Vibes als bei den beiden Alben davor?
Schmidt: Ja, beim Schreiben der Songs war das auf jeden Fall die Motivation, die wir hatten. Wir hatten natürlich auch noch ein paar ältere Songs in petto. Aber bei den neueren, die wir für das Album schrieben, da haben wir uns schon von solchen Bands inspirieren lassen und wollten mehr in die 60s-Psychedelic-Richtung als in den Krautrock gehen.
Bönschen: Achte mal bei „Sounds From The Ether“ auf den Text. Der ergibt erst Sinn mit diesem abgefahrenen Radio-Sample, das man zwischendurch und am Ende hört. Das stammt noch aus einer allerersten Probe. Da hatte unser Gitarrist Jerome „Jay“ Holz über seine Pedale auf einmal Radio empfangen. Das muss 2018 irgendwann im Winter gewesen sein. Und wir hatten zum Glück zu dem Zeitpunkt alles mikrofoniert, und ich drückte auf Aufnahme. Und diese Aufnahme, die wir da quasi über sein Pedalboard mitschnitten, die begleitet uns jetzt schon seit acht Jahren, und nun endlich haben wir sie in diesem Song verarbeitet. Daher der Titel „Sounds From The Ether“.
Das komplette XXL-Interview ist Teil unseres Online-Abos, siehe https://www.eclipsed.de/de/abo