SPOCK’S BEARD - Das Prog-Comeback des Jahres?!

30. Dezember 2025

Spock’s Beard

SPOCK’S BEARD - Das Prog-Comeback des Jahres?!

Gehofft hatten sie es vielleicht, ernsthaft damit rechnen wollten aber wohl nicht einmal mehr die härtesten Fans von Spock’s Beard. Und doch ist „The Archaeoptimist“ nun da – das neue Album eines der populärsten Progrock-Acts der letzten 30 Jahre. Ted Leonard, Sänger und Rhythmusgitarrist der US-Band, sprach mit eclipsed über die Gründe für die lange Wartezeit, die ungewöhnliche Entstehungsgeschichte der Disc und über das neue Mitglied der Band. „Nach ‚Noise Floor‘ beschlossen wir, dass wir vorerst keine Platten mehr machen würden, vielleicht sogar nie wieder“, versucht Leonard die siebenjährige Pause seit dem letzten Studiowerk zu erklären. „Keiner von uns hatte damals wirklich Freude an den Aufnahmen – es war anstrengend und nervenaufreibend.“ Nach Abschluss einer recht kurzen Europareise zum 2018er-Album passierte dann tatsächlich nicht mehr viel.

Man spielte 2019 und 2020 noch eine Handvoll Shows, und jeder kümmerte sich ansonsten um seine Familie und/oder Seitenprojekte. 2024 rauften sich die Musiker dann aber doch noch einmal für eine UK-Tour zusammen, die einen erstaunlichen Effekt auf die Gruppe hatte: „Wir hatten plötzlich wieder Spaß am gemeinsamen Spielen“, erinnert sich Leonard. „Die interne Stimmung war so großartig, dass wir darüber nachdachten, ob wir es nicht doch noch mal mit einem Album versuchen sollten.“ Um dieses Momentum zu nutzen und dabei nicht bei null beginnen zu müssen, ergriff Keyboarder Ryo Okumoto die Initiative. Er unterbreitete den erstaunten Kollegen einen Einfall, der den Prozess verkürzen und für alle deutlich weniger Stress bedeuten würde. „Wir wussten, dass Ryo mit seinem Songwriting-Partner Michael Whiteman an einem Soloprojekt bastelte. Doch plötzlich schlug er vor, die bereits komponierten und teilweise auch schon aufgenommenen Lieder einfach für Spock’s Beard umzuarbeiten.“ Eine interessante Idee, aber würde sie aufgehen? Würde sich die Platte am Ende wirklich wie ein Bandalbum anhören?

Das Ergebnis in Form von „The Archaeoptimist“ spricht diesbezüglich eine eindeutige Sprache: Ja, es funktioniert – auch und gerade, weil Leonard, Bassist Dave Meros sowie Leadgitarrist Alan Morse den Liedern jeweils noch ihren eigenen Stempel aufdrücken konnten. „Wir haben – abgesehen von Ryos Keyboards und den Drums – sämtliche Parts in unseren jeweiligen Heimstudios neu eingespielt. Ryo fungierte dabei als Produzent, der alles überwachte und zusammenfügte. Zuvor hatten wir einige Passagen gemeinsam umarrangiert, neue Segmente eingebaut und andere weggelassen, sodass ich besten Gewissens sagen kann, dass es sich hier um ein echtes Spock’s-Beard-Album handelt.“ Auch die ursprünglich von Whiteman stammenden Texte seien teilweise um- oder komplett neu geschrieben worden, berichtet Leonard. „Der Titelsong hieß eigentlich ‚The Destructionist‘ und handelte von einem Politiker, der sich wie ein selbstherrlicher Diktator aufführt und alle Entscheidungen nur zu seinem eigenen Vorteil, nicht aber zu dem des Landes trifft, das er eigentlich führen sollte. Das war mir zu plump, auf eine bestimmte reale Figur abzielend – ich denke, ihr ahnt, um wen es geht. Also schrieb ich eine komplett neue Geschichte für das Lied, die in einer postapokalyptischen Welt spielt ...“

The Archaeoptimist

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