„Posthumous Silence“ gilt bis heute als Referenzwerk im Œuvre der deutschen Artrocker Sylvan. Es ist das meistverkaufte im Bandkatalog, seit seinem Erscheinen geht kein Konzert ohne einen Beitrag aus dem Konzeptalbum von 2006 über die Bühne. Nun, zum 20-jährigen Jubiläum, ist die Zeit für die erste Vinyl-Ausgabe gekommen. Inklusive begleitender Tournee. Ein Gespräch mit Bassist Sebastian Harnack.
Der Liedermacher Stefan Stoppok ist 70 geworden. Für viele Menschen wäre das ein Grund, kürzerzutreten. Nicht aber für den Ruhrpottler, der im Rock verwurzelt, aber stilistisch erstaunlich offen ist. Eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein: Im Gespräch mit eclipsed berichtete er von seinen vielseitigen aktuellen Aktivitäten, die auch, aber längst nicht ausschließlich mit dem runden Geburtstag zu tun haben. Stoppok ist fast immer unterwegs – und das eigentlich schon sein Leben lang. Laut eigener Aussage als Sohn polnischer Eltern auf der Durchreise in Hamburg geboren, ist Essen seine Heimatstadt. Und doch hält es ihn dort nie sehr lange. Denn am liebsten ist er auf Tour – ob solo, mit Band oder anderen Künstlern, ist ihm eigentlich egal. Kein Wunder also, dass er uns zum Interview von einem Rastplatz an irgendeiner Bundesautobahn (er weiß nicht genau, welche) aus anruft.
Die britische Band 10cc geht im September auf Deutschland-Tour. Graham Gouldman ist dabei das letzte noch aktive Gründungsmitglied. Er schrieb auch Hits für die Yardbirds, Herman’s Hermits, die Hollies und Jeff Beck. Als 10cc 1974 ihr zweites Album „Sheet Music“ veröffentlichten, wurde es mit den späten Werken der Beatles verglichen. Allein die Texte lösten vielerorts Begeisterungsstürme aus. Wer sich darauf einließ, konnte immer neue sprachliche Finessen, feine Seitenhiebe und ironische Brechungen entdecken. Besonders die amerikanische Gesellschaft geriet dabei ins Visier der Briten: etwa in dem Single-Hit „The Wall Street Shuffle“, der den Börsen-Hype mit scharfem satirischen Blick seziert. Vom Aktiengeschäft hatten Graham Gouldman, Kevin Godley, Eric Stewart und Lol Creme allerdings keinen blassen Schimmer.
Als Iain Matthews in den Siebzigern nach Los Angeles kam, stand dem jungen Singer/Songwriter aus Lincolnshire die Welt offen. Tief verwurzelt in der britischen Folk-Szene um Sandy Denny und Richard Thompson, suchte er in den USA nach neuen musikalischen Horizonten. Dort lernte er Michael Nesmith kennen, der als Gitarrist der TV-Band The Monkees zum Popstar geworden war und gerade als Solokünstler durchstartete. 1973 produzierte Nesmith dann „Valley Hi“, das schnell zu Matthews’ größtem Hit avancierte. Bloß der Sänger selbst fremdelte mit dem allzu countryhaften Sound. „Mir ist klar, dass viele Leute es für mein bestes Album halten“, erzählt Matthews im Interview. „Aber mich hat der Stil immer gestört.“
Erst vor einem guten halben Jahr erschien „Life In Seven Dreams“, das siebte Album von Laughing Stock. Für ihr bis dato bedrohlichstes und unstetes Werk flüchteten sie sich vor weltlichen Krisen ins Land der Träume, das sie musikalisch in nachtmahrhaften Schatten und idyllischer Klarheit einfingen. Offenbar lag dem Trio die konzeptuelle Dichte am Herzen, denn nun folgt mit „Forgotten Dreams“ eine EP mit vier Kompositionen, die es nicht aufs Album schafften. Ein Traum-Epilog quasi, als hätte man sich morgens nach einer unruhigen Nacht nochmal im Schlafgemach herumgedreht.
Das israelische Quartett Telegraph sorgte 2018 mit seinem Debütalbum „MIR“ für Aufsehen, weil es mit ihm die Sound-Ästhetik der britischen Sphären-Progger Camel wiederauferstehen ließ. Nun legt die Band nach: „Topography Of Mind“ geht in dieselbe Richtung, verschiebt den Fokus aber hin zu komplexeren Songstrukturen. Statt songorientierter Tracks servieren Eze Sakson (keys), Tal Rubinstein (g, voc), Liran Herrnstadt (b, voc) und Avi Barak (dr, fl) vier Nummern um die elf Spielminuten. Auch wenn es mit diesen bisweilen in musikalische Irrgärten à la Änglagård geht, steht eine entspannte, verträumte Atmosphäre stets klar im Vordergrund. „Topography Of Mind“ ist ein Konzeptalbum auf zwei Ebenen.
Wenn einer weiß, wie man Riffs und Refrains unter einen Hut bringt, dann Kris Barras. Mit „Monsters We Made“ schärft der Brite den Kurs, den er auf „Halo Effect“ (2024) eingeschlagen hat, noch einmal nach – weg von reiner Riff-Wucht, hin zu Songs, die im Ohr bleiben. „Was bringt es, Musik zu schreiben, die live nicht hängen bleibt, weil keiner mitsingen kann?“, fragt Barras rhetorisch und erinnert sich an die Tour zum Vorgänger, bei der ihm das Mitgrölen der Fans regelrecht die Sprache verschlagen hat. Genau dieses Gemeinschaftsgefühl treibt ihn seither an: große Melodien, klare Hooks, Songs zum Mitsingen – ohne dabei auf seine Gitarre zu verzichten.
Kann Musik zu politisch sein? Die kalifornische Songschreiberin Emma Ruth Rundle sieht sich oft mit dem Vorwurf konfrontiert, politische Aussagen gehörten nicht in die Musik. Auf ihrem neuen Album „These Killing Times“ rechnet sie messerscharf mit den Umständen ab, die zu Hunger, Krieg und Feuersbrünsten führen. Was mit einem balladesken Piano-Pattern beginnt, endet in der Apokalypse. Die Musikerin zieht alle Register – in ihrer Musik wie im Gespräch.
eclipsed: Wie hast du deinem Gefühlsmix aus Wut, Trauer, Hilf-, Hoffnungslosigkeit und Verantwortung Luft gemacht?