Aktuelle News

TELEGRAPH feiern den atmosphärischen Artrock der 70er

Das israelische Quartett Telegraph sorgte 2018 mit seinem Debütalbum „MIR“ für Aufsehen, weil es mit ihm die Sound-Ästhetik der britischen Sphären-Progger Camel wiederauferstehen ließ. Nun legt die Band nach: „Topography Of Mind“ geht in dieselbe Richtung, verschiebt den Fokus aber hin zu komplexeren Songstrukturen. Statt songorientierter Tracks servieren Eze Sakson (keys), Tal Rubinstein (g, voc), Liran Herrnstadt (b, voc) und Avi Barak (dr, fl) vier Nummern um die elf Spielminuten. Auch wenn es mit diesen bisweilen in musikalische Irrgärten à la Änglagård geht, steht eine entspannte, verträumte Atmosphäre stets klar im Vordergrund. „Topography Of Mind“ ist ein Konzeptalbum auf zwei Ebenen.

KRIS BARRAS BAND bleibt sich auf „Monsters We Made“ treu

Wenn einer weiß, wie man Riffs und Refrains unter einen Hut bringt, dann Kris Barras. Mit „Monsters We Made“ schärft der Brite den Kurs, den er auf „Halo Effect“ (2024) eingeschlagen hat, noch einmal nach – weg von reiner Riff-Wucht, hin zu Songs, die im Ohr bleiben. „Was bringt es, Musik zu schreiben, die live nicht hängen bleibt, weil keiner mitsingen kann?“, fragt Barras rhetorisch und erinnert sich an die Tour zum Vorgänger, bei der ihm das Mitgrölen der Fans regelrecht die Sprache verschlagen hat. Genau dieses Gemeinschaftsgefühl treibt ihn seither an: große Melodien, klare Hooks, Songs zum Mitsingen – ohne dabei auf seine Gitarre zu verzichten.

EMMA RUTH RUNDLE ermächtigt sich zum Widerstand

Kann Musik zu politisch sein? Die kalifornische Songschreiberin Emma Ruth Rundle sieht sich oft mit dem Vorwurf konfrontiert, politische Aussagen gehörten nicht in die Musik. Auf ihrem neuen Album „These Killing Times“ rechnet sie messerscharf mit den Umständen ab, die zu Hunger, Krieg und Feuersbrünsten führen. Was mit einem balladesken Piano-Pattern beginnt, endet in der Apokalypse. Die Musikerin zieht alle Register – in ihrer Musik wie im Gespräch.

eclipsed: Wie hast du deinem Gefühlsmix aus Wut, Trauer, Hilf-, Hoffnungslosigkeit und Verantwortung Luft gemacht?

THE SAMURAI OF PROG segeln mit Sindbad über die Weltmeere

Seit 2011 veröffentlichen The Samurai Of Prog im Schnitt pro Jahr ein Album. Dass auf ihnen ganz verschiedener Komponisten erklingen, lässt die einen mit dem Konstrukt fremdeln, während es andere dazu verleitet, dieses als Prog-Unternehmung nicht ganz ernst zu nehmen. Spätestens nach der neuen Veröffentlichung „The 7 Voyages Of Sinbad“ sollte man jedoch umdenken. Man erkennt mit ihr einmal mehr: Hier sind Meister ihres Fachs am Werk. Auf verschiedenen Ebenen. Samurai-„Urvater“ ist Bassist Marco Bernard. „Ende der 90er war ich Vorsitzender von Colossus, dem finnischen Verband für progressive Musik“, erinnert er sich.

LA PRIEST folgt dem Ruf seiner Instrumente

Der Himmel kennt keine Topografie. Das Album „Into The Sky“ des britischen Songwriters, Instrumentenbauers und Produzenten Sam Eastgate, besser bekannt als LA Priest, kennt keine Verortung in bekannten Gefilden. Es ist nicht leicht, sich ohne musikhistorischen Navigator auf Anhieb in den psychoätherischen Songs zurechtzufinden, so fremd muten sie zunächst an. Erst nach und nach ordnen sich die Elemente, und man kann im freien Flug eine Richtung ausmachen. „Genau dieser Effekt ist beabsichtigt“, platzt es aus Eastgate heraus.

EXPLORING BIRDSONG legen ein fulminantes Debütalbum vor 

Es war ein langer Weg bis zum Debüt. Vor knapp zehn Jahren fanden sich mit Exploring Birdsong drei Musikstudenten zusammen, die mit ihrem ungewöhnlich instrumentierten Gemisch aus Prog und Artpop sofort auffielen. Statt Gitarre rückten sie das Klavier von Frontfrau Lynsey Ward ins Zentrum, zu hören auf ihren ersten EPs. Jetzt erscheint mit „Every House We Built“ das erste Werk des Liverpooler Trios auf Albumlänge: nuanciert, abwechslungsreich und mit dichtem Konzept, das Häuser als Analogie für menschliche Beziehungen verwendet. „Für uns ist es eine aufregende Zeit“, sagt Drummer Matt Harrison, „weil viele Leute erst jetzt unsere Musik entdecken.“

eclipsed: Hallo Lynsey, hallo Jonny, hallo Matt. Wir leben in politisch wie sozial unruhigen Zeiten. Wie erlebt ihr all das gerade?

JORDSJØ's wundersame Reise erreicht neue Höhen

Spätestens seit „Nattfiolen“ (2019) sind Jordsjø unverzichtbarer Bestandteil der skandinavischen Retroprogger-Gilde. Das Kern-Duo Håkon Oftung (voc, fl, g, keys) und Kristian Frøland (dr, perc) umgibt sich für jedes Album mit einer Schar Gastmusiker und weiß sich von Werk zu Werk zu steigern. Passend zu seinem zehnjährigen Bestehen ist ihm mit seiner neunten Langrille sogar ein Quantensprung gelungen. Und das hat mehrere Gründe. Die Stücke zu „Pestkrønikene“ (so der Albumtitel) entstanden nämlich ganz anders als sonst. Darüber und noch so einiges mehr gibt das folgende Interview mit Oftung Auskunft.

eclipsed: Herzlichen Glückwunsch, Hakon, zu einem brillanten Album – meiner Meinung nach der bisher besten Veröffentlichung von Jordsjø. Würdest du mir da zustimmen?