CREAMCHEESE - Undiskutierte Musik

„One Man Band since 1998. The nice guy with the great music. Still getting stronger...“, so bezeichnet sich Marcel Besner auf seiner Bandcamp-Site. Wie großartig die Musik wirklich ist und ob sie immer stärker wird, kann jeder selbst anhand der sechs dort bereitgestellten Alben überprüfen. eclipsed sprach mit dem Musiker, der sich selbst als großen Pink Floyd-Fan bezeichnet und schon mit fünf Jahren seine erste eigene Platte kaufte.

eclipsed: Du hast in den letzten Jahren bereits diverse Alben auf Bandcamp digital veröffentlicht. Wie kam es jetzt zur ersten physischen Veröffentlichung auf CD?

Die Prog-Veteranen Jeff Brewer und Robert Hutchinson überzeugen als THE FAR CRY

„In den USA hat man es als Prog-Band nicht leicht“, stöhnt Robert Hutchinson, Schlagzeuger von The Far Cry, die mit „If Only …“ ein imposantes erstes Album veröffentlicht haben, das vor Einfallsreichtum und Spielfreude nur so strotzt. „Prog ist eher ein obskurer Nischenmarkt bei uns. Auf jeden Fall bekommst du keine Angebote von Clubs oder Bars wie andere Rockbands.“ Hutchinson muss es wissen, denn obwohl „If Only …“ das erste Album der Formation ist, die er vor einigen Jahren mit dem Sänger und Multiinstrumentalisten Jeff Brewer gegründet hat, sind beide Musiker bekannte Veteranen in der amerikanischen Prog-Welt. Bereits in den 80ern spielten sie gemeinsam in der Band Holding Pattern, die gemeinhin zum Neoprog gerechnet wurde, auch wenn die Musiker damals keine Ahnung hatten, was das überhaupt sein soll: „Wir verstanden uns als klassische Prog-Band.

Auf seinem Album „Stitches“ schließt Nils-Petter Molvær Frieden mit sich selbst

Seit seinem Debütalbum „Khmer“ von 1997 hat der norwegische Klangmaler Nils-Petter Molvær in zahlreichen Editionen seiner Musik ebenso viele innere Kämpfe ausgefochten. Mit teils schmerzhafter Direktheit offenbarte er den Kontrast zwischen seiner sanften und seiner aggressiven Seite, die oft unvermittelt aufeinanderprallten. Diese persönliche Zerrissenheit äußerte sich auf jedem Album anders, mal unterschwellig, mal offensiv. Auf seiner neuen CD „Stitches“ scheint der Trompeter Frieden mit sich selbst geschlossen zu haben. Sicher gibt es auch hier Momente, in denen es mächtig zur Sache geht, doch diese sind friedlich eingebettet in einen kontinuierlichen Sog, der ohne harsche Brüche auskommt.

Die MANIC STREET PREACHERS haben endlich wieder ein überragendes Album aufgenommen

Nach eigener Aussage war eine der primären Inspirationsquellen für das neue Manics-Werk „The Ultra Vivid Lament“ das schwedische Quartett ABBA, dessen Melodien Songwriter James Dean Bradfield schon immer sehr geschätzt hat. Er findet, es gebe kaum einen besseren Rahmen als diesen, um die sozialkritischen Botschaften der Band massentauglich zu verpacken … 

eclipsed: Du hast im letzten Jahr mit „Even In Exile“ ein Soloalbum über den chilenischen Folk-Sänger Victor Jara aufgenommen, zu dem der Lyriker Patrick Jones, der Bruder deines Manics-Bandkollegen und Texters Nicky Wire, die Lyrics verfasste. Hat das Album den Weg zum neuen Manics-Werk geebnet?

Für TRIFECTA steht beim Debütalbum „Fragments“ der Spaß im Vordergrund

Dass Soundchecks dazu dienen, sich auszuprobieren und gemeinsam zu jammen, ist nichts Ungewöhnliches. Dass sich aus diesen jedoch eine Band inklusive offizieller Plattenveröffentlichung entwickelt, stellt die Ausnahme dar. So geschehen im Falle der drei Steven-Wilson-Musiker Craig Blundell (Drums), Nick Beggs (Bass) und Adam Holzman (Keyboards). Mit Letzterem sprachen wir über die Hintergründe von Trifecta.

eclipsed: Die Wurzeln von Trifecta liegen in der Band von Steven Wilson. Wie begann das damals alles?

Das irische Projekt VILLAGERS sagt dem Algorithmus Blues den Kampf an

Beatles oder Beach Boys? Oder vielleicht Gil Evans meets Alice Coltrane meets Todd Rundgren meets Burt Bacharach meets Bright Eyes? Villagers alias Conor O’Brien hat auf dem neuen Album „Fever Dreams“ eine surreale Welt erschaffen, die viele Erinnerungen an Bekanntes und Vertrautes weckt und am Ende auf eine wundervolle Klanginsel hinausläuft, auf der man sich vom Stress der Wirklichkeit ausruhen kann. „Ich wollte einfach selbst eine gute Zeit mit der Band haben, mit der ich die drei Jahre zuvor kontinuierlich getourt war“, rekapituliert der Ire. „Mein Hauptziel bestand darin, aus halbfertigen Songs gemeinsam etwas Erfreuliches zu machen. Wichtiger als das Konzept ist mir für das endgültige Ergebnis der soziale Aspekt, mit echten Menschen in einem realen Raum zu spielen.“   

HOT'N'NASTY „brennen“ darauf, mit ihrem neuen Album wieder live aufzutreten

Preisträger „German Blues Awards 2020“ in der Kategorie „Band“. Und zwar so etwas von zu Recht! „Burn“ das jüngst erschienene neue Album von Hot'N'Nasty ist dafür ein mehr als eindrucksvoller Beweis – und den Preis 2021 müssten sie damit eigentlich auch gleich bekommen. „Wir haben schon öfter Preise erhalten, aber dafür kann man sich nichts kaufen, es ist jedoch etwas, worauf man schon stolz sein kann“, ordnet Malte Triebsch, in Dortmund ansässiger Gitarrist und Songschreiber der Band, Ehrungen dieser Art ein. Leider wurde die Formation (wie selbstverständlich fast die gesamte im eclipsed abgebildete Rockszene) von der Pandemie live ausgebremst, aber bei einer bluesrockigen Truppe aus Vollblutmusikern wie Hot'N'Nasty, die seit knapp 30 Jahren aktiv sind, ist die Bühne noch mehr Lebenselixier als für viele andere Acts: „Da wir aus den verschiedensten Ecken Deutschlands kommen, benutze ich die Soundchecks vor Konzerten auch oft dazu, neue Songideen auszuprobieren.“ 

AMYL AND THE SNIFFERS lieben es laut, wütend, sexy und frontal!

Auf der Bühne hat Amy Taylor etwas von einem Derwisch: Sie trägt vorzugsweise nichts anderes als Hot Pants, Bikini-Tops und einen blonden Vokuhila, schreit sich die Seele aus dem zierlichen Leib, flucht und schimpft wie ein Rohrspatz bzw. weist allzu aufdringliche (männliche) Konzertbesucher mit Schlägen und Tritten in ihre Schranken. Sprich: eine Naturgewalt, die an die Wendy O. Williams von den Plasmatics erinnert, die einst selbst Lemmy betörte. Deshalb ist sie in natura dann nicht wiederzuerkennen: eine eher schüchterne, unglaublich freundliche und bemühte 26-Jährige aus Melbourne, die wirkt, als könne sie kein Wässerchen trüben.