JOHN CAGE - Orgel-Projekt für die Ewigkeit

In einer entweihten Kirche in Halberstadt begann 2001 die langsamste Musikaufführung der Welt. Es handelt sich um das Orgelstück „ORGAN²/ASLSP“, ein in diesem Fall auf nicht weniger als 639 Jahre gedehntes Werk des musikalischen Innovators John Cage. Ein Besuch in der Kleinstadt in Sachsen-Anhalt, die seit 21 Jahren von Cage-Fans und Medien aus aller Welt beobachtet wird.     

ANN WILSON - Herzensbrecherin auf Solopfaden

Wenn man den Titel ihres neuen Albums „Fierce Bliss“ wörtlich nimmt, herrscht bei Heart-Frontfrau Ann Wilson eitel Sonnenschein. Doch obwohl sie bei den Aufnahmen dieser gelungenen Classic-Rock-Platte mit neuen und gecoverten Songs eine Menge Spaß hatte, betont die 71-Jährige, dass es durchaus einige problematische Aspekte aus der Heart-Vergangenheit gibt. Und dass ihre Gitarre spielende Schwester ohne sie unter dem Namen Nancy Wilson's Heart tourt, könnte für weitere Spannungen und Verwirrungen sorgen. 

Ein wenig gespannt war ich vor dem Zoom-Interview mit Ann Wilson, ob gleich ein Livebild aus ihrem Haus in Florida in meine Dortmunder Küche flattern oder sie sich wie manche (selbst männliche) ältere Rocker mit der Begründung, sie wirke heute nicht so fotogen, auf ein Audiogespräch beschränken würde. Als es dann so weit war, lächelte mich eine altersgemäß attraktiv und gesund aussehende, keineswegs übergewichtige Ann Wilson aus ihrer Küche an.

ROBIN TROWER veröffentlicht ein neues Album und legt Tourpläne auf Eis

Robin Trower wurde am 9. März 77 Jahre alt, klingt aber am Telefon agil wie mit 27. Auch auf dem aktuellen Album „No More Worlds To Conquer“ - das im Übrigen nicht der Slogan eines Altersmilden ist, sondern sich als durch Alexander den Großen inspiriert erweist. 

eclipsed: Wie vermeidest du es, mit neuen Songs Aufgüsse von „Too Rolling Stoned“ oder „Captain Midnight“ zu liefern? 

Robin Trower: Es ist ein Glück, kreativ bleiben zu können. Und harte Arbeit! 5% Inspiration – 95% Schweiß! Meine Texte erwachsen oft aus der Musik. Ein oder zwei Zeilen bringen frische Ideen. Für die Lyrics brauche ich länger als für die Musik – bei „Birdsong“ kamen sie aus einer Doku über den 1. Weltkrieg. Ich saß an einem Track ohne Melodie. Kaum hatte ich sie, entstand der Text aus dem Film heraus. 

eclipsed: An deinen Gesang hat man sich gewöhnt – du hast dir selbst die neuen Nummern aber nicht zugetraut ...

Airbag-Gründungsmitglied BJØRN RIIS setzt auch im Alleingang auf die innere Balance

Die Aussage, dass Bjørn Riis gern auch ohne Airbag am Steuer sitzt, bedeutet nicht, dass er unvorsichtig unterwegs ist. Denn ebenso wie seine Stammcombo, die den Namen der lebensschützenden Vorrichtung trägt, ist der in Oslo lebende Musiker seit geraumer Zeit auch auf Solopfaden im Bereich des gemäßigten und der Erbmasse von Pink Floyd verpflichteten Progressive Rock zu finden. Dennoch ist „Everything To Everyone“ als Einzelwerk gesehen etwas Besonderes: „Immer, wenn ich ein Projekt in Angriff nehme, liegt mir daran, unterschiedliche Aspekte meiner Musik und meines Songwritings zu erkunden“, erzählt er in seiner ruhigen und klaren Art. „Es war nie mein Ziel, mich immer wieder neu zu erfinden. Mein letztes Album ‚A Storm Is Coming‘ war sehr dunkel. Es ist definitiv eines meiner Lieblingsalben. Diesmal wollte ich eine etwas größere Produktion, einen größeren Sound, wenn du so willst.“

KAIPA widmen sich den sagenumwobenen skandinavischen Wäldern

Hans Lundin ist mittlerweile 74, lebt in der Nähe von Uppsala auf dem Land und ist vollkommen mit sich im Reinen. Der ruhige und dabei stets gut gelaunte Musiker gründete Kaipa 1973 als Ura Kaipa, ein Jahr später ging es unter verkürztem Namen damit los, sich in die Annalen der Prog-Historie einzuschreiben. Seit jeher ist Lundin Sänger, Keyboarder und vor allem Komponist der Formation, die aktuell aus sechs Mitgliedern besteht. Gerade kam das neue Album „Urskog“ in den Handel. Reichlich opak mutet dessen Sound an, was als Kompliment verstanden werden darf. „Das ist richtig“, meint Lundin im Gespräch, „und hat mit meiner Faszination für die undurchdringliche Natur zu tun.“

eclipsed: Was bedeutet der Albumtitel „Urskog“?

Die Mariachi-Rocker CALEXICO suchen tief im Süden nach neuen Utopien

Brückenbauer ist gegenwärtig ein häufig verwendetes Wort. Die amerikanische Band Calexico versteht sich seit zweieinhalb Jahrzehnten als Brückenbauer. Ihre Viadukte verbinden zwei Kontinente, die beide Amerika heißen. Von Beginn an kultivierten sie sowohl die augenfälligen wie die nicht ganz so offensichtlichen Verbindungen der Americana-Kultur des Nordens von Blues und Country Music bis Bluegrass und Jazz mit der Roots Music des Südens, vor allem Mariachi Music. Diese Mission wird auf dem neuen Album „c“ stärker betont als je zuvor, denn diesmal halten sie sich nicht mehr nur an der mexikanischen Grenze auf, sondern ziehen viel tiefer in den Süden.

Die COWBOY JUNKIES haben ein ergreifendes Cover-Album veröffentlicht

Seit fast 40 Jahren ist die Band aus Ontario um das Geschwister-Trio Margo, Peter und Michael Timmins bereits aktiv. Ende der 80er Jahre hatten die Cowboy Junkies mit ihrem zweiten Album „The Trinity Session“ ihren Durchbruch, bis heute gilt es als eines der wegweisenden Werke der neuen Americana-Szene. In den Mainstream hat es die Band zwar nie so ganz geschafft, aber dennoch erschienen regelmäßig überzeugende Platten, zuletzt 2020 das berührende Minialbum „Ghosts“, auf dem die Geschwister den Tod ihrer Mutter thematisieren.

KARCIUS setzen die Story von „The Fold“ fort

2018 überraschten die kanadischen Progrocker Karcius mit einem unheimlichen Konzeptalbum. „The Fold“ („Die Falte“) erzählte die gruselige Geschichte des Privatdetektivs Ian Chains, der wie in Philip K. Dicks Science-Fiction-Romanen in eine alternative beängstigende Realität hineingezogen wird. Das neue Werk kommt nun als direkte Fortsetzung daher. Chains’ Name („in Ketten“) ist Programm. Dieser befindet sich laut Sänger, Texter und Bassist Sylvain Auclair, einem bekennenden SciFi- und Horrorfilmfanatiker, diesmal „auf der anderen Seite der Falte, in der Leere, und versucht, der neuen Wirklichkeit einen Sinn zu verleihen. Wir folgen seiner Reise der Verwirrung und des Kampfes in der Hoffnung, endlich seine Dämonen zu besiegen, damit er Heilung und inneren Frieden findet.“