BRUCE SPRINGSTEEN - Energiegeladener Blick zurück

Bruce Springsteens neues Album „Letter To You“ kommt überraschend. Doch wer in Corona- und US-Wahlkampf-Zeiten vom Boss ein waschechtes politisches Album wie einst „The Rising“ nach den 9/11-Anschlägen erwartet hatte, sieht sich getäuscht. Ist es auch kein „Brief“ zur aktuellen Lage der Welt, so handelt es sich bei „Letter To You“ doch um ein Album voller Weisheit, auf dem sich der Musiker intensiv mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt. Und für Enttäuschung besteht kein Grund: Auch wenn das verschneite Cover andere Assoziationen wecken kann, ist dieses musikalische „Schreiben“ das wohl energiegeladenste E-Street-Band-Album seit „Born In The U.S.A.“. Wir gehen auf Spurensuche und beleuchten den schmerzhaften Entstehungsprozess von „Letter To You“, widmen uns seinen schweren Themen, den hochkarätigen Songs und seinem besonderen Sound.

FATES WARNING - Am Ende eines langen Jahres

Es ist das verflixte 13. Studioalbum und erscheint im verflixten Jahr 2020: „Long Day Good Night“ war alles andere als eine leichte Geburt, das wird im Verlauf des Gesprächs mit Fates-Warning-Frontmann Ray Alder deutlich. Seit 1987 steht er – gemeinsam mit Songwriter und Gitarrist Jim Matheos – im Zentrum der Progressive-Metaller, einige Edelsteine des Genres hat er seitdem mitgeschmiedet. Das neue 72 Minuten lange und standesgemäß mit 13 Songs ausgestattete Werk reiht sich nun da ein und überzeugt nicht zuletzt aufgrund neu aufgestoßener Türen.

Ray Alder ist entspannt. Das kann er auch sein. Ein Jahr intensiver Arbeit liegt hinter ihm und seinen Bandkollegen. Unter widrigen Umständen (Corona) und mit jeder Menge Druck im Nacken entstand „Long Day Good Night“. Ein Album, welches der sympathische Musiker selbst – so gesteht er im Verlaufe des Interviews – seit Monaten nicht mehr gehört hat. Zu erzählen weiß er dennoch einiges.

QUEEN + ADAM LAMBERT - „Es ist wahnsinnig aufregend, als Katalysator für Brian und Roger zu wirken“

Wie das britische Staatsoberhaupt denken auch die nach ihm benannten Rockhelden der 70er- und 80er-Jahre nicht ans Abdanken. Im Gegenteil: Seit dem oscarprämierten Biopic „Bohemian Rhapsody“ erlebt Queen eine regelrechte Renaissance und erobert sich ein ganz neues Publikum. Aus gutem Grund, so ihr Tour-Gastsänger Adam Lambert: „Freddie Mercury war seiner Zeit weit voraus.“

Seit 2011 tourt der in San Diego beheimatete Sänger nun schon mit Brian May und Roger Taylor um die Welt. Für den 38-Jährigen ist es nach wie vor eine künstlerische Herausforderung, allabendlich in die Fußstapfen seines Idols Freddie Mercury zu treten und dessen Songs zu singen. Er tut dies mit großer Begeisterung, weil er sich in seiner Rolle immer wohler fühlt, und seinen eigenen Zugang zu den Stücken gefunden hat – wobei er laut eigener Aussage sehr viel gelernt hat.

YUSUF/CAT STEVENS - „Das bin ich, das ist meine Geschichte“

Als vor einigen Monaten bekanntgegeben wurde, dass Yusuf alias Cat Stevens zum 50-jährigen Jubiläum seines berühmten Albums „Tea For The Tillerman“ keine gängige neu abgemischte Deluxe-Edition, sondern eine Neueinspielung veröffentlichen wolle, wurden viele kritische Stimmen laut. Wie das Ergebnis zeigt, hat sich das Experiment gelohnt – schafft es der 72-Jährige damit doch, seinem klassischen Album neue Relevanz zu verleihen.

Wir treffen beim Interview auf einen in hohem Maße reflektierten wie auch humorvollen Yusuf, der sich begeistert von der Neueinspielung seines Klassikers zeigt. Man nimmt ihm sofort ab, dass es sich dabei vor allem um eine Herzensangelegenheit handelte. Wie er im Gespräch ausführt, ermöglichte ihm dieses Projekt, eine Brücke zu bauen zwischen dem jungen Cat Stevens von damals und dem Yusuf von heute.

JOE BONAMASSA - Zurück auf die Insel

Der Titel des neuen Albums von JOE BONAMASSA ist in mehr als einer Hinsicht Programm: „Royal Tea“, konzipiert und komponiert in England und produziert in den Abbey Road Studios, ist das „Wohlfühlalbum“, das der im Bundesstaat New York geborene Wahlkalifornier schon immer machen wollte. Auch wenn dem Dauertourer die coronabedingte Zwangspause ziemlich zu schaffen macht, hellt sich seine Laune sofort auf, wenn er an die Umsetzung seines englischen Projekts zurückdenkt.

Angesichts des Umstands, dass Musikszenen unterschiedlichster Couleur sich seit Jahren immer mehr in Nashville konzentrieren, war es auch für Bonamassa nur folgerichtig, zusammen mit in der „Music City“ ansässigen Songschreibern Stücke zu komponieren und sie zum Teil auch dort aufzunehmen. Die Ergebnisse sprechen für sich: Sein letztes Studioalbum „Redemption“ (2018) glänzte wieder mit einer satten Produktion und schmissigen Songs.

THE FLOWER KINGS - „In Zeiten dieses bizarren Corona-Virus geht es leider auch um Isolation“

„Islands“, das 14. Album der Flower Kings, ist bereits der sechste Doppeldecker der schwedischen Prog-Formation – und das laut Band-Mastermind Roine Stolt völlig unbeabsichtigt. Wie er im Interview ausführt, entstand der mehrdeutige Titel auf einer Reise nach Afrika.

Ein Vierteljahrhundert existieren die Flower Kings mittlerweile. Wenn man bedenkt, dass Bandchef, Sänger und Gitarrist Roine Stolt daneben auch noch in verschiedenen anderen Projekten wie Kaipa, Transatlantic, The Tangent oder The Sea Within die flinken Finger im Spiel hat bzw. hatte, sind 14 Studioalben in diesem Zeitraum eine beachtliche Zahl, auch wenn er offenbar aus einem wahren Füllhorn musikalischer Ideen schöpfen kann. Trotz Corona-Krise geht es dem Schlacks aus dem schwedischen Uppsala „blendend“, wie er während des Telefongesprächs betont: „Warum sollte ich also kürzer treten, wo es mir so viel Spaß bringt, mich beinahe täglich im Studio aufzuhalten und an neuen Ideen zu feilen?“

KRAAN - Das reine Lustprinzip

In den 1970er-Jahren waren KRAAN eine deutsche Jazzrockinstitution. Nach mehreren Auflösungen ist die Ulmer Band seit 2000 wieder aktiv und feiert nun ihr 50-jähriges Bestehen. Passend dazu erschien im Oktober das neue Studiowerk „Sandglass“ – ein wunderbar unbeschwertes Album, auf dem Hellmut Hattler (Gesang, Bass), Peter Wolbrandt (Gesang, Gitarre, Synthesizer) und Jan Fride (Drums) in geradezu telepathischer Weise miteinander musizieren. 

Hellmut Hattler ist spürbar stolz auf „Sandglass“, das zur Zeit des Lockdowns entstand und 13 kompakte Stücke enthält, die mit viel Geschmack eingespielt wurden. Im Interview mit eclipsed spricht der 68-Jährige, der vor einiger Zeit eine Leukämieerkrankung überstanden hat, über die Aufnahmen, erzählt von der heilenden Wirkung der Albenproduktion und erklärt, was sich an der Bandchemie seit der Zeit des gemeinsamen Kommunenlebens geändert hat. 

CRIPPLED BLACK PHOENIX - „Wenn du dir unsere Alben anhörst, wirst du sehen, dass es immer um die gleichen elenden Themen geht“

Auf ihrem jüngsten Werk befassen sich die englischen Post-Rocker Crippled Black Phoenix einmal mehr mit dem menschlichen Seelenleben – dazu kommt diesmal noch der Zustand der britischen Nation
Knapp eine Woche vor dem Erscheinen von „Ellengæst“ erwischen wir CBR-Gründer Justin Greaves fröhlich, ja fast ausgelassen in seinem Arbeitszimmer. Wie er uns im Gespräch mitteilt, feilt er bereits am nächsten Album. Daneben erzählt er u. a. von den Aufnahmesessions zum aktuellen Werk sowie den jüngsten Umbesetzungen in seiner Band.

eclipsed: Wie zufrieden bist du mit dem neuen Album?


Justin Greaves: Sehr zufrieden! Aber es ist komisch, darüber zu sprechen, denn wir haben das Album letztes Jahr im Oktober aufgenommen.