BILL BRUFORD - Zwischen Jazz und Rock, Rationalität und Leidenschaft

Wollte man einen Kronzeugen für die Geschichte des britischen Progrock von den späten 1960ern bis in die 2000er-Jahre benennen, wäre dafür wohl niemand besser geeignet als Bill Bruford. Die Liste der Bands, in denen er mitwirkte, liest sich wie ein Who’s who der kreativen Speerspitze des Genres. Mit der 6-CD-Kollektion „Making A Song And Dance“ (BMG/Warner) blickt der Ausnahmemusiker nun auf seine gesamte Laufbahn zurück.

Bill Brufords Wirken bei Yes, King Crimson, U. K., Genesis, Gong und nicht zuletzt in seinen eigenen Bands Bruford und Earthworks summiert sich zu einer erstaunlichen Lebensleistung. Von Anfang an verstand sich der mittlerweile 73-Jährige, der mit nicht ganz 60 Jahren seine Karriere als aktiver Musiker beendete, dabei als Gestalter, was in der retrospektiven Zusammenstellung gut zu erkennen ist – denn ebendies ist das Element, das alle Tracks miteinander verbindet. 

DEF LEPPARD - Rick Savage plaudert über einst und jetzt, Drittliga-Fußball und das neue Album

Mächtig aufgebrezelt und mit viel Mut zur Rock-Pose stolzierte Rick „Sav“ Savage im Juli 2019 über die Bühne der Berliner Zitadelle, als ich den heute 61-Jährigen zuletzt live erlebte. Im Mai 2022 im Zoom-Format wirkt der aus seinem Wohnzimmer in Sheffield zugeschaltete Musiker wesentlich natürlicher. Er pariert meine anfängliche Spitze sogleich mit einem Gegentreffer: „Ja, Michael, wenn du noch Haare hättest, könntest du diese auch toupieren …“ Anlass des Gesprächs ist das neue Def-Leppard-Werk „Diamond Star Halos“.

WUCAN - Dämonen im Kopf

Seit die Neokrautrocker aus Dresden ihr zweites Studioalbum „Reap The Storm“ veröffentlichten, sind bereits fünf Jahre vergangen. Auf ihrem Drittling „Heretic Tongues“ präsentieren sich Wucan nun runderneuert: Härter und groovender denn je verlassen sie die Retropfade und schicken sich an, falsche Glaubenssätze aus den Köpfen ihrer Hörer zu vertreiben. Francis Tobolsky, Flötistin, Sängerin und kreativer Kopf der Band, erläuterte im Interview die dahinterstehenden Ideen.

eclipsed: Warum hat es nach dem letzten Album „Reap The Storm“ von 2017 mit „Heretic Tongues“ so lange gedauert?

Francis Tobolsky: Geplant war es schon für 2020. Wir wollten unser strategisch wichtigstes Album aber ganz bestimmt nicht mitten in der Pandemie herausbringen, wenn es niemand gekauft hätte und wir keine Tour hätten spielen können. 

VENUS PRINCIPLE - Aus der Asche des Phönix

Für Jonas Stålhammar, Gitarrist und Keyboarder von Venus Principle, ist die Veröffentlichung von „Stand In Your Light“ die Erfüllung eines lang gehegten Traumes: „Ich bin eher als Death-Metal-Musiker bekannt und liebe es, solche Songs zu schreiben. Aber ein Album wie dieses zu machen, war eine Herzensangelegenheit. Diese Art von Musik und vor allem Songs für die Stimmen von Daniel und Daisy zu schreiben, die beide hervorragende Sänger sind, war etwas ganz Besonderes.“ Bei der bewussten Art von Musik handelt es sich um dunklen, melodischen Artrock und Psychedelic; Reminiszenzen an Bands wie Pink Floyd, King Crimson, Black Mountain, aber auch Anathema oder My Dying Bride ziehen sich durch das gesamte Album. 

THE TANGENT sind im Longtrack-Modus

Andy Tillison besitzt Humor: Denn der Chef von The Tangent hat dem neuesten Werk seiner Band den Titel „Songs From The Hard Shoulder“ gegeben – zu Deutsch: „Songs vom Standstreifen“. Auch seine deutlich sichtbare Zahnlücke (ein Schneidezahn rechts oben musste kürzlich extrahiert werden) kann dem freundlichen Briten nicht die Laune verderben. Dementsprechend auskunftsfreudig gibt sich der 62-Jährige bezüglich der Vergangenheit und Gegenwart seiner Band und erwähnt nebenher, dass er in Sachen Longtracks Rekordhalter sei, da er mehr als 25 Songs mit einer Länge von mindestens 15 Minuten komponiert habe … 

eclipsed: Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum 20-jährigen Jubiläum von The Tangent! War dir 2002 klar, dass die Band irgendwann mehr sein könnte als nur ein Nebenprojekt mit einigen berühmten Prog-Musikern? 

ROCK-FOSSILIEN im Frankfurter Senckenberg Museum

Fossilien und Rockmusik: Gibt es da noch engere Verbindungen als der laue Gag mit dem englischen Wort für Stein? Die dänische Wanderausstellung „Rock Fossils“ liefert diesbezüglich interessante Erkenntnisse. „Ich weiß auch nicht, warum so viele Paläontologen Rock- und vor allem Metal-Fans sind, aber es scheint so zu sein“, beginnt Dr. Thorolf Müller, der Projektleiter für diese Sonderausstellung, den Rundgang durch die Exponate. „Irgendwann hat Mats Eriksson, Initiator und selbst Metaller, das gemerkt und ist auf die Idee gekommen, weltweit nach Fossilien zu suchen, die nach Rockmusikern benannt sind.“

Der Finne MICHAEL MONROE ermordet wieder einmal den „Summer of Love“

„Murder The Summer Of Love“ ist nicht nur einer der stärksten Songs des neuen Michael-Monroe-Albums, er zeigt auch an, wogegen der Finne mit oder ohne Hanoi Rocks stets angekämpft hat: gegen die Hippies! „I Live Too Fast To Die Young!“ heißt plakativ das aktuelle Werk des Sängers, Harmonikaspielers und Saxophonisten. 

Kurz vor seinem 60. Geburtstag gibt es die immer gleichen Antworten auf die im Grunde genommen nie gestellten Fragen. „Ich glaube, man sollte sich nicht zu viele Gedanken machen, sondern einfach seinem Instinkt folgen. Da bin ich immer noch Punk. Das haben wir damals mit Hanoi Rocks gemacht, und das habe ich später auch auf meinen Soloalben weiterverfolgt.“ Rock’n’Roll nennt Monroe das, oft wurden dafür auch Begriffe wie Glam Metal, Glam Punk, Sleaze Rock oder Hair Metal verwendet. „Pack mich in all diese zum Teil gegensätzlichen Schubladen, aber es wird doch immer Michael Monroe dabei herauskommen!“

Nach geschlagenen 25 Jahren wurden GALAXY wieder wachgeküsst

Galaxy wer? Leider stellt sich diese Frage, denn nur die wenigsten Leser werden mit dem Bandnamen etwas anfangen können. Das ist gleichermaßen schade wie verständlich. Die Niederländer haben sich nämlich nicht weniger als 25 Jahre Zeit gelassen, bis sie ihre Melodic-Prog-Perle „Runaway Men“ auf die geneigte Hörerschaft losließen. 

Die Geschichte der Band beginnt 1983, als die Mitglieder noch im Teenager-Alter waren. Keyboarder Ard Ofers war sogar erst 11 Jahre alt. „Ich hatte gerade angefangen, Orgel zu spielen. Am Anfang war alles sehr einfacher Rock’n’Roll.“ Eine entscheidende Zäsur folgte dann 1987, als der heutige Kayak-Sänger Bart Schwertmann dazustieß, der fortan sowohl den Gesang als auch den Bass übernehmen sollte. Mit seinem Einstieg veränderte sich auch die musikalische Ausrichtung der Band hin zu einem verspielten, aber dennoch straighten Prog-Sound.