RYLEY WALKER - Schmelztiegel Chicago

Es passiert nicht so oft, dass man eine CD einlegt und alles stehen und liegen lässt, mit dem man gerade beschäftigt ist. Ryley Walkers „Primrose Green“ ist ein Kandidat für einen derartigen Kontrollverlust, denn ein solches Album hat es schon lange nicht mehr gegeben. Es baut aus alten Tugenden der freien Improvisation eine völlig neue Variante von Folk. Aber der junge Singer-Songwriter aus Chicago steht mit beiden Beinen auch in ganz unterschiedlichen Traditionen.

All you need is L.O.V.E. - Ex-Panikorchester-Gitarrist PAUL VINCENT ist als Liebesbote unterwegs

Paul Vincent ist ein deutsches Rockurgestein. Seit den Sechzigerjahren aktiv, hat er den Bogen vom frühen Engagement in Beatkapellen (Park Lane) und Psychedelicbands (Missus Beastly) hin zum professionellen Wirken als Studiomusiker geschlagen. Über Kontakte zu Keith Forsey, Klaus Doldinger und Olaf Kübler war er rasch in den Musikerszenen von München und Hamburg integriert, war von 1975 bis 1980 Mitglied von Udo Lindenbergs Panikorchester. Danach spielte unter anderem auf Meat Loafs „Bad Attitude“ und Freddie Mercurys „Mr. Bad Guy“. Aus der Wolle Kriwanek Band, der er jahrelang angehörte, entwickelte sich nach Kriwaneks Tod 2003 Vincents seine Formation Vincent Rocks. Unter eigenem Namen hat Paul Vincent jetzt die Vier-CD-Box „L.O.V.E.“ vorgelegt.

MICHAEL SCHENKER’S TEMPLE OF ROCK haben eine Mission zu erfüllen

„Die Band kann bald auf eigenen Füßen stehen“, sinniert Michael Schenker. Temple Of Rock heißt nicht nur seine Gruppe, so hieß auch das Album, mit dem der heute 60-jährige Gitarrist 2011 ein neues Kapitel aufschlug. Daraus hat sich eine feste Band mit Sänger Doogie White, Gitarrist/Keyboarder Wayne Findlay und dem ehemaligen Scorpions-Rhythmusteam, Schlagzeuger Herman Rarebell und Bassist Francis Buchholz, herauskristallisiert. Der Hauptsänger des Debüts, Michael Voss (MadMax), hält als Produzent die Fäden in der Hand. Das dritte Studiowerk „Spirit On A Mission“ ist wie der Vorgänger „Bride The Gap“ (2013) im westfälischen Münster entstanden.

THE GENTLE STORM - Ins Goldene Zeitalter

Arjen Lucassen ist hibbelig. Hochgradig nervös. Es ist Anfang Februar, und der Schlacks aus dem niederländischen Oudenbosch bereitet sich gerade auf einige Akustikkonzerte vor, die ihn in Kürze zusammen mit Sängerin Anneke van Giersbergen einmal quer durch Europa führen werden. Über acht Jahre sind inzwischen seit seinen letzten Auftritten mit Stream Of Passion ins Land gegangen, und wer Lucassen kennt, weiß, wie unangenehm, ja fast qualvoll solche Unternehmungen für ihn sind. Und so ist auch wenig verwunderlich, dass der 54-Jährige bei der unlängst angelaufenen Tour der um Frontfrau Anneke van Giersbergen zusammengestellten neuen Band The Gentle Storm nicht mit von der Partie ist. Auch der Auftritt beim „Night Of The Prog“-Festival wird ohne Lucassen vonstatten gehen.

The Art Of Sysyphus Vol. 81

STEVE HACKETT - The Wheel's Turning (7:23)
Album: Wolflight (2015)
Label/Vertrieb: InsideOut/Universal
www.hackettsongs.com

Wieder einmal nimmt uns der Meistergitarrist und Komponist mit auf eine ereignisreiche Reise durch verschiedene Länder und Epochen, die man so schnell nicht vergessen wird. Dass sich der einstige Genesis-Saiten-Akrobat dabei nie kopiert und dennoch immer er selbst bleibt, ist fast schon ein Wunder.

Band im Wandel - PALLAS präsentieren sich nach langer musikalischer Wanderschaft frischer denn je

Als die schottische Neoprogband Pallas 1980 aus der Taufe gehoben wurde, ahnte niemand, dass sie vier Jahre später mit ihrem Debüt „The Sentinel“ ein Werk für die Ewigkeit erschaffen würde. Mit Marillion und IQ gehörte sie zur Speerspitze dieses Genres. Ihre Konzerte waren und sind ein wahrhaft pompöses Vergnügen für die Sinne. Doch ihre Erfolgssträhne war nur von kurzer Dauer. Als der Sänger Euan Lowson die Band 1986 verließ, war zunächst Schluss.

LED ZEPPELIN - Der letzte Höhenflug des Zeppelins: die Geschichte von „Physical Graffiti“

Mitte der Siebziger hatten Led Zeppelin ihren zweiten künstlerischen Zenit erreicht und dokumentierten dies auf einzigartige Weise mit „Physical Graffiti“, dem einzigen Doppelalbum der Band. Bis heute ist es Robert Plants Lieblingsplatte mit der Gruppe, wohl auch, weil die Formation davor und danach nie ausdrucksstärker und facettenreicher gewesen ist. Am 24. Februar 1975 erschienen, war „Physical Graffiti“ die erste Platte der Rockgeschichte, die allein durch Vorbestellungen Platinstatus erlangte.

UFO - Endlich skandalfrei!

Eine ganz normale Band wird aus den einst vom Rock’n’Roll-Lifestye gebeutelten UFO wohl nie werden. Aber seit im Jahr 2003 der US-amerikanische Gitarrenhexer Vinnie Moore eingestiegen ist, sind die englischen Hardrockurgesteine auf Konsolidierungskurs. Das jüngste Album „A Conspiracy Of Stars“ ist dafür ein weiterer Beweis.

Anfangs wirkte die Zusammenarbeit von UFO mit Vinnie Moore gewöhnungsbedürftig. Auf der einen Seite war da der bodenständig auftretende Ex-Vicious-Rumours-Gitarrist, auf der anderen die berüchtigte Truppe, die – bedingt durch exzessiven Alkohol- und Drogenkonsum – kein Fettnäpfchen ausließ. Jedoch ist deren „schlagkräftiger“ Sänger Phil Mogg um einiges ruhiger geworden, und das Skandalduo Pete Way und Michael Schenker ist dauerhaft aus dem Bandgefüge entfernt worden. Way half kurzzeitig bei Ozzy Osbourne aus, aber selbst dem Madman war die endlose Feierei zu viel. O-Ton Ozzy: „Eine ganze Tour lang mit Pete mitzuhalten – das schafft kein Mensch.“