XXL-Interview: JOHN MAYALL - Der Bluesdienstleister

Blues! Etwas anderes hat den Briten mit Wohnsitz Los Angeles nie interessiert. Seit 56 Jahren hegt und pflegt er diese musikalische Spielart nach allen Regeln der Kunst, gilt wahlweise als Koryphäe, Institution oder Gralshüter, war Sprungbrett für viele berühmte Kollegen – und denkt zum Glück gar nicht daran, auf seine alten Tage noch etwas anderes zu machen. Marcel Anders hat den Altmeister zur Veröffentlichung seines mittlerweile 36. Albums gesprochen.

eclipsed: John Mayall, „Nobody Told Me“ ist im 606 Studio von Dave Grohl entstanden.

John Mayall: Das stimmt.

eclipsed: Da er oft dort abhängt und gerne mit anderen Künstlern jammt: Hast du ihn persönlich getroffen?

TINARIWEN, TAMIKREST, TOURÉ & CO. - Archaischer Wüstenblues: Musik aus Mali

Tinariwen und Tamikrest, zwei Tuaregbands aus Mali, touren um die Welt. Gekleidet in ihre traditionellen Gewänder, mit Turban oder Chèche auf dem bzw. um den Kopf und Gitarren in der Hand spielen sie eine staubtrockene Musik, die für ein westliches Publikum einen exotischen Reiz verströmt. Doch sie sind nur die Spitze der Sanddüne.

„Als ob man einem Tropfen lauscht, der in einen tiefen Brunnen fällt“, umschrieb Robert Plant seine Empfindung, als er erstmals die Musik von Tinariwen hörte. 2003 stand er gemeinsam mit der Band aus Mali auf der Bühne des „Festival au Désert“. Der Livemitschnitt des Wüstenevents zog weltweit in die World-Music-Charts ein. Es war die Initialzündung und ein Grundstein für die Vitalität der heutigen Musikszene in Mali und der Aufmerksamkeit, die sie weltweit erregt. Tinariwen sind heute gewiss nicht die einzige renommierte Band aus Mali und sie waren auch ganz sicher nicht die erste.

JOHN LENNON + YOKO ONO - Lennon’s On Sale Again

Alles begann mit dem Wunsch zu heiraten. Vor fünfzig Jahren wollten John Lennon und Yoko Ono sich das Ja-Wort geben. Was folgte, war nicht nur eine Odyssee durch halb Europa, sondern die wohl aufsehenerregendsten Flitterwochen der Musikgeschichte. Anstatt sich auf einer entfernten Insel zu vergnügen, inszenierte das frisch gebackene Ehepaar ein einwöchiges Happening für den Frieden in einem Amsterdamer Hotelzimmer. Die legendären „Bed-Ins for Peace“ waren geboren.

WHEEL - Wenn Orwell das gewusst hätte!

Mit ihren EPs „The Path“ und „The Divide“ haben sich Wheel in den beiden vergangenen Jahren als ernstzunehmende Alternative zu Tool und A Perfect Circle beziehungsweise als potente Ergänzung zu Modern-Prog-Acts wie Karnivool oder Jolly positioniert. Nun legen die Finnen ihr erstes komplettes Album vor, das nicht nur musikalisch überzeugt: Zusätzlich beziehen sie in ihren Texten Stellung zu politischen und sozialen Themen.

„Moving Backwards“ heißt das gerade erschienene Album von Wheel. Der Titel kann als Kritik der Band an den reaktionären Tendenzen, die sich gegenwärtig in Gesellschaft und Politik von Ländern auf der ganzen Welt breitmachen, begriffen werden. Unter anderem die Rückkehr zum Nationalismus sei es, die ihn und seine Kollegen umtreibe, sagt der Engländer James Lascelles, Sänger der Band aus Finnland. Da es für Wheel derzeit sehr gut laufe, sehen sie die Zukunft aber durchaus auch positiv.

AVANTASIA - Schwarzromantische Klassenfahrt

Ursprünglich wollte Tobias Sammet die Zeit nach „Ghostlights“ für ein Soloalbum nutzen. Das führte letztendlich zwar zum nächsten Avantasia-Projekt, Autobiografisches verarbeitete der gebürtige Hesse dennoch auf dem neuen Album „Moonglow“ – verpackt in ein verträumt-düsteres Setting, das der Fantasie von US-Regisseur Tim Burton entsprungen sein könnte.

Neben allerlei bekannten Stimmen erweitern für Avantasias neues Album „Moonglow“ die neuen Akteure Candice Night, Mille Petrozza und Hansi Kürsch den Kosmos des Progmetaloper-Projekts. Trotz der großen Namen rangiert bei Mastermind Tobias Sammet Qualität noch immer klar vor Quantität. Das betont er im Gespräch gleich mehrfach.

eclipsed: Fass bitte die Storyline von „Moonglow“ kurz zusammen. Gab es Inspirationen von außen oder ist alles auf deinem eigenen Mist gewachsen?

CATHERINE RIBEIRO + ALPES - Rock progressif extrémiste

Ex-Sonic-Youth-Bassistin Kim Gordon verehrt sie ebenso wie Julian Cope oder der exzentrische französische Mathematiker Cédric Villani. Fakt ist, dass die Musik von Catherine Ribeiro + Alpes niemanden kaltlässt. Wer die Gruppe und ihre sich expressiv gebärdende Frontfrau in den 70ern gehört hat, war von ihrer radikalen Interpretation progressiver Rockmusik entweder abgestoßen oder dieser verfallen. Dazwischen gab es nichts. Ein kleines US-Label hat jetzt drei frühe LPs der Formation neu herausgebracht. Auch wir versuchen gerne, den ewigen Geheimtipp dem Vergessen zu entreißen.

Elf Jahre nach ihrer Trennung reformiert sich die norwegische Rockinstitution MADRUGADA

Die norwegische Band Madrugada hat um die Jahrtausendwende ein einzigartiges Gesamtwerk vorgelegt, dessen Abschluss keineswegs für 2007 geplant war. Doch der völlig unerwartete Tod von Gitarrist Robert Burås, 31, führte zu einem vorzeitigen Ende der Gruppe auf dem Zenit ihrer Umlaufbahn. Die Band steckte damals gerade in der Produktion ihres fünften Studioalbums „Madrugada“, das noch einmal ganz neue Perspektiven eröffnet hätte. Die CD stellte sie fertig, aber das war es noch lange nicht.

Music From Time And Space Vol. 70