THE NEAL MORSE BAND - Perfektionisten wider Willen

Ein prächtig gelaunter Neal Morse, der gerade die Keyboards für das dritte Flying-Colors-Album aufnimmt, erläutert eclipsed die Hintergründe von „The Great Adventure“. Dabei verschweigt er nicht, dass der Entstehungsprozess – ähnlich wie bei „Snow“ – bisweilen sehr mühsam war. Was allerdings nicht heißen soll, dass es Morse & Co. an Songs mangelte. Tatsächlich gibt es noch weitere 45 Minuten Material, die gar nicht verwendet wurden.

eclipsed: In der Presseinfo war zu lesen, dass ihr gar nicht vorhattet, ein weiteres Konzeptalbum zu schreiben. Und schon gar nicht eine Fortsetzung von „The Similitude Of A Dream“. Warum eigentlich nicht?

QUEENSRŸCHE - Der Vorteil des Urteils

Es gibt einige offene Fragen und gleichzeitig ein paar nicht ganz eindeutige Antworten, wenn man sich noch sechs Jahre nach Tates Ausstieg mit einem Queensrÿche-Musiker unterhält. Damit keine alte Wunden aufgerissen werden, sprachen wir nicht mit dem nach dem Ausstieg von Tate zum Sprachrohr aufgestiegenen Gitarristen Michael Wilton, sondern mit Ex-Crimson-Glory-Mitglied Todd La Torre, der als neuer Frontmann beim überschaubar gewordenen Queensrÿche-Publikum gut ankommt. Seine Stimme variiert bei den älteren Songs nur um wenige Nuancen gegenüber der von Tate. Außerdem hat er die Band wieder zu dem Sound geführt, mit dem sie Anfang der Achtziger zu einer der ersten Progmetalbands wurden. Wobei ihr Hauptaspekt damals auf Metal lag. Doch nach und nach verfolgten der neben Wilton zweite Gründungsgitarrist Chris DeGarmo und Tate einen Weg, der weg vom von Iron Maiden beeinflussten Anfangssound führte. „The Verdict“ stellt vieles wieder vom Kopf auf die Füße.

MOTORPSYCHO - The music never stops

Neues Album, neues Glück? Auf Norwegens Dauerrocksensation Motorpsycho trifft dies nicht zu. Eigentlich ist es ganz egal, welchen Song von welchem Album sie spielen – wichtig ist dieses spezielle Motorpsycho-Feeling, das noch lange trägt, nachdem der letzte Ton verklungen ist. Einflüsse der 60er-, 70er- und 90er-Jahre, Beach Boys, Deep Purple, Hendrix, John Coltrane, Miles Davis – all das türmt sich in ihrem Sound seit 30 Jahren zu einem einzigen Aufschrei. Gitarrist Hans Magnus Ryan und Bassist Bent Sæther sind von Anfang an dabei. Die Schlagzeuger haben zwar öfter mal gewechselt, aber jeweils erheblich zum Sound der Band beigetragen. Einige Tage nach ihrem Jubiläumsauftritt in Oslo im Dezember 2018 ist Sæther zu einem Gespräch anlässlich des neuen Albums „The Crucible“ bereit.

eclipsed: Viele Bands haben eine Diskografie, Motorpsycho haben ein Universum.

XXL-Interview: JOHN MAYALL - Der Bluesdienstleister

Blues! Etwas anderes hat den Briten mit Wohnsitz Los Angeles nie interessiert. Seit 56 Jahren hegt und pflegt er diese musikalische Spielart nach allen Regeln der Kunst, gilt wahlweise als Koryphäe, Institution oder Gralshüter, war Sprungbrett für viele berühmte Kollegen – und denkt zum Glück gar nicht daran, auf seine alten Tage noch etwas anderes zu machen. Marcel Anders hat den Altmeister zur Veröffentlichung seines mittlerweile 36. Albums gesprochen.

eclipsed: John Mayall, „Nobody Told Me“ ist im 606 Studio von Dave Grohl entstanden.

John Mayall: Das stimmt.

eclipsed: Da er oft dort abhängt und gerne mit anderen Künstlern jammt: Hast du ihn persönlich getroffen?

TINARIWEN, TAMIKREST, TOURÉ & CO. - Archaischer Wüstenblues: Musik aus Mali

Tinariwen und Tamikrest, zwei Tuaregbands aus Mali, touren um die Welt. Gekleidet in ihre traditionellen Gewänder, mit Turban oder Chèche auf dem bzw. um den Kopf und Gitarren in der Hand spielen sie eine staubtrockene Musik, die für ein westliches Publikum einen exotischen Reiz verströmt. Doch sie sind nur die Spitze der Sanddüne.

„Als ob man einem Tropfen lauscht, der in einen tiefen Brunnen fällt“, umschrieb Robert Plant seine Empfindung, als er erstmals die Musik von Tinariwen hörte. 2003 stand er gemeinsam mit der Band aus Mali auf der Bühne des „Festival au Désert“. Der Livemitschnitt des Wüstenevents zog weltweit in die World-Music-Charts ein. Es war die Initialzündung und ein Grundstein für die Vitalität der heutigen Musikszene in Mali und der Aufmerksamkeit, die sie weltweit erregt. Tinariwen sind heute gewiss nicht die einzige renommierte Band aus Mali und sie waren auch ganz sicher nicht die erste.

JOHN LENNON + YOKO ONO - Lennon’s On Sale Again

Alles begann mit dem Wunsch zu heiraten. Vor fünfzig Jahren wollten John Lennon und Yoko Ono sich das Ja-Wort geben. Was folgte, war nicht nur eine Odyssee durch halb Europa, sondern die wohl aufsehenerregendsten Flitterwochen der Musikgeschichte. Anstatt sich auf einer entfernten Insel zu vergnügen, inszenierte das frisch gebackene Ehepaar ein einwöchiges Happening für den Frieden in einem Amsterdamer Hotelzimmer. Die legendären „Bed-Ins for Peace“ waren geboren.

WHEEL - Wenn Orwell das gewusst hätte!

Mit ihren EPs „The Path“ und „The Divide“ haben sich Wheel in den beiden vergangenen Jahren als ernstzunehmende Alternative zu Tool und A Perfect Circle beziehungsweise als potente Ergänzung zu Modern-Prog-Acts wie Karnivool oder Jolly positioniert. Nun legen die Finnen ihr erstes komplettes Album vor, das nicht nur musikalisch überzeugt: Zusätzlich beziehen sie in ihren Texten Stellung zu politischen und sozialen Themen.

„Moving Backwards“ heißt das gerade erschienene Album von Wheel. Der Titel kann als Kritik der Band an den reaktionären Tendenzen, die sich gegenwärtig in Gesellschaft und Politik von Ländern auf der ganzen Welt breitmachen, begriffen werden. Unter anderem die Rückkehr zum Nationalismus sei es, die ihn und seine Kollegen umtreibe, sagt der Engländer James Lascelles, Sänger der Band aus Finnland. Da es für Wheel derzeit sehr gut laufe, sehen sie die Zukunft aber durchaus auch positiv.

AVANTASIA - Schwarzromantische Klassenfahrt

Ursprünglich wollte Tobias Sammet die Zeit nach „Ghostlights“ für ein Soloalbum nutzen. Das führte letztendlich zwar zum nächsten Avantasia-Projekt, Autobiografisches verarbeitete der gebürtige Hesse dennoch auf dem neuen Album „Moonglow“ – verpackt in ein verträumt-düsteres Setting, das der Fantasie von US-Regisseur Tim Burton entsprungen sein könnte.

Neben allerlei bekannten Stimmen erweitern für Avantasias neues Album „Moonglow“ die neuen Akteure Candice Night, Mille Petrozza und Hansi Kürsch den Kosmos des Progmetaloper-Projekts. Trotz der großen Namen rangiert bei Mastermind Tobias Sammet Qualität noch immer klar vor Quantität. Das betont er im Gespräch gleich mehrfach.

eclipsed: Fass bitte die Storyline von „Moonglow“ kurz zusammen. Gab es Inspirationen von außen oder ist alles auf deinem eigenen Mist gewachsen?