KATATONIA - „Die Mischung aus Bekanntem und Unerforschtem treibt uns an“

Fast 30 Jahre sind vergangen, seit Katatonia aus dem Stockholmer Death-Metal-Untergrund erste Blüten trieben. Das Gründerduo Jonas Renkse und Anders Nyström entwickelte die Musik der Band beständig weiter Richtung Progressive Rock und darüber hinaus. Ihr elftes Werk „City Burials“ steht sowohl für Tradition als auch für den Willen, beständig Neues zu entdecken.

Nach „The Fall Of Hearts“ (2016) legten Katatonia eine offizielle Pause ein. Vollständig ruhte die Band allerdings nicht, wie Sänger und Komponist Jonas Renkse im Interview einräumt: Die Auszeit nutzte er auch dazu, ohne äußeren Druck am Nachfolgealbum „City Burials“ zu arbeiten.

eclipsed: Was habt ihr während der Pause gemacht?

THE BLACK CROWES - Don't Look Back In Anger

Rich und Chris Robinson segeln seit Ende 2019 wieder unter gemeinsamer Flagge: The Black Crowes. Was noch vor etwa einem Jahr unvorstellbar war, ist nun wieder Alltag. Anlässlich des 30. Jahrestages ihres Debütalbums „Shake Your Money Maker“ haben die Brüder ihre jahrelangen Animositäten beiseite gelegt und schlagen ein neues Kapitel der Bandgeschichte auf. Rich klingt dabei im Interview, das noch vor der Corona-Krise entstand, so euphorisch, wie man den Gitarristen und Hauptsongschreiber der Band in den letzten Jahren selten gehört hat. 

DAVID BOWIE und MARC BOLAN finden für „The Prettiest Star” zusammen

Aus Freunden können Konkurrenten werden, Konkurrenten dürfen aber auch Freunde bleiben. Diese Formel mag paradox klingen, aber im Fall der beiden Glam-Stars David Bowie und Marc Bolan ist sie überaus zutreffend. Am 6. März 1970 erscheint in England die Single „The Prettiest Star“. Sie soll der glamouröse Nachfolger zu David Bowies Erfolgssingle „Space Oddity“ werden, die im Herbst des Vorjahres veröffentlicht worden war. An der Gitarre ist ein anderer aufstrebender Star zu hören. Doch trotz der Zusammenarbeit von David Bowie und Marc Bolan wird die Single mit weniger als 800 verkauften Exemplaren zum katastrophalen Flop.

MRS. KITE - Überzeugungstäter mit langem Atem

Sieben Jahre nach „A Closer Inspection“ veröffentlichen Mrs. Kite nun ihr drittes Album „Flickering Lights“. Das Warten hat sich gelohnt: Das Werk präsentiert einen modernen Progressive Rock, der sich vor den Szenegrößen nicht zu verstecken braucht. Florian Schuch (Gesang, Keyboards), sein Bruder Ferdinand (Gitarre), Philipp Verenkotte (Bass) und Lukas Preußer (Drums) haben nun drei Alben – das erste 2006 noch unter dem alten Bandnamen It’s Us – veröffentlicht.

Wie seine beiden Vorgänger gewann auch Flickering Lights“ den Deutschen Rock und Pop Preis in der Kategorie „Beste Progressiv Band“. Doch viel Glück hat der Preis Mrs. Kite nicht gebracht, blieb die Band doch trotz der nicht zu leugnenden großen Qualitäten eher eine unbekannte Größe in der hiesigen Prog-Szene. Das soll und kann nun anders werden mit dem neuen Album, über das eclipsed mit dem Kölner Quartett sprach.

DIE WILDE JAGD - Auf der Grenze zwischen Physis und Seele

1872 hat Peter Nicolai Arbo sein Bild „Die Wilde Jagd“ gemalt, das mit dramatischen Licht-Schatten-Kontrasten eine Szene der nordisch-germanischen Mythologie zeigt. Sebastian Lee Philipp, Produzent und Songschreiber aus Berlin, hat dieses Bild so beeindruckt, dass er sein musikalisches Projekt danach benannte. Das war etwa 2015. Nach dem unbetitelten Debüt, bei dem Die Wilde Jagd noch aus dem Duo Sebastian Lee Philipp und dem Düsseldorfer Produzenten Ralf Beck bestand, folgte 2018 „Uhrwald Orange“ (bei dem Beck nur noch als Co-Produzent tätig war). „Haut“, das neue, dritte Werk von Die Wilde Jagd, ist so kontrastreich wie Arbos Bild: Elektronik, Mittelalterklänge, Krautrock, Avantgarde – all das kommt hier in vier Longtracks zusammen, in einem magischen Dreieck aus subtilen Melodien, hypnotischen Rhythmen und undefinierbaren Klängen. eclipsed sprach mit Sebastian Lee Philipp.

ANUBIS legen ein Konzeptalbum für den Shutdown und entschleunigtes Homeoffice vor

2004 gründeten Sänger Robert James Moulding und Keyboarder David Eaton im australischen Sydney die nach dem altägyptischen Totengott benannte Band Anubis. Und legten sogleich mit „230503“ ein von Pink Floyd und Co. beeinflusstes modernes Prog-Konzeptalbum vor. „Homeless“, das als erstes Album der Band auf hochwertigem 190g-Vinyl erscheint, bewegt sich in diesem Fahrwasser. Die Frage nach dem, was anno 2020 Heimat sein kann, gewinnt dabei nicht nur angesichts der sich verschärfenden Klimakrise und Armut weltweit einerseits sowie zunehmendem Nationalismus und Populismus in vielen Ländern andererseits, sondern gerade auch inmitten der Corona-Krise eine ganz neue Dringlichkeit.

eclipsed: Was versteht ihr unter „homeless“, und bekommt dieses Phänomen im Zeichen von Corona nicht eine neue Bedeutung?

THE ALLIGATOR WINE lassen komplett ohne Gitarren die Fetzen fliegen

Duos haben in der Geschichte der Rockmusik immer noch einen ziemlichen Seltenheitswert. Dabei merkt man The Alligator Wine auf ihrem Debütalbum „Demons Of The Mind“ diese Minimal-Besetzung gar nicht an. Komplett ohne Gitarren lassen Thomas Teufel (Drums, Vocals & Percussion) und Rob Vitacca (Vocals, Orgel & Synthesizer) mit ihrem mega-groovigen Retrosound ganz schön die Fetzen fliegen. 
Beheimatet sind die beiden Musiker im äußersten Süden Baden-Württembergs, in Waldshut-Tiengen, von wo man über den Rhein fast in die Schweiz spucken kann.

OTHER LIVES kreieren auf dem Land ihren urwüchsigen musikalischen Kosmos

In Zeiten fortschreitender Formatierung fast aller Bereiche von Kunst und Gesellschaft wird es immer schwerer, „unkalkulierte“ Musik zu finden, die nicht dem absurden Bedürfnis nach Suchmaschinenoptimierung oder Klickzahlen geschuldet ist. Die amerikanische Band Other Lives beweist auf ihrem neuen Album „For Their Love“, dass sich die Suche nach einem Gegenentwurf immer noch lohnt. 

Organische Arrangements über sich langsam ausbreitenden Melodien und ein sonorer, einfühlsamer Bariton zeugen von einem ausgeprägten Sinn für menschliche Emotionalität. Bei den Other Lives geht es nicht um den schnellen Konsum eines auf ein Zielpublikum hin produzierten Klangprodukts, sondern um musikalische Zustände und Prozesse, in denen man sich als Hörer aufhalten und ausbreiten, die man hautnah erleben kann. Unmittelbar vor dem Lockdown machte sich Bandleader, Sänger und Gitarrist Jesse Tabish noch auf den Weg nach Berlin, um über das neue Album seiner Band zu erzählen.