POPOL VUH - Ein ewig suchender Visionär

Nachdem vor zwei Jahren im LP-Boxset „Vol. 1: The Essential Collection“ fünf wegweisende Alben des Krautrock-Projekts Popol Vuh um den spirituellen Visionär Florian Fricke wiederveröffentlicht wurden, folgt nun mit „Vol. 2: Acoustic & Ambient Spheres“ ein zweites, das vier weitere Werke des Musikerkollektivs enthält: zwei Soundtracks für Filme Werner Herzogs („Herz aus Glas“ und „Cobra Verde“), dazu den Klassiker „Seligpreisung“ sowie das unbekanntere Album „Agape – Agape“. Grund genug für eclipsed, das Phänomen Popol Vuh etwas näher zu beleuchten: Was macht die Musik Florian Frickes so einzigartig?

ROBERT REED - Ein Musiker mit 1000 Gesichtern

Rob Reed ist einer der vielseitigsten und produktivsten progressiven Klangtüftler unserer Zeit. Kürzlich brachte er das Album „The Ringmaster: Part One“ heraus, das an seine Mike-Oldfield-Verbeugungen anschließt, die er seit 2014 unter dem Projekttitel „Sanctuary“ veröffentlichte. Der Prog-Gemeinde bekannt ist er aber vor allem als Gründer der Neoprog-Band Magenta, deren Debüt „Revolutions“ 2001 erschien. Weitere Projekte sind Cyan, Chimpan A und Kompendium. Wie schafft dieser Mann das bloß?

Seiner musikalischen Anfänge mit dem Bandprojekt Cyan gedachte der Multiinstrumentalist Rob Reed in diesem Jahr mit einer Neuaufnahme des Debütalbums „For King And Country“ von 1993. Mit Chimpan A (zwei Alben seit 2006) und seiner Hommage an die Elektronikpioniere der 70er-Jahre „Cursus 123 430“ (2020) mischte er auch im elektronischen Kosmos mit. An dem Projekt Kompendium (2012/13) wiederum waren Stars der Progrockszene wie Steve Hackett, Jakko Jakszyk und Mel Collins beteiligt.

BRÖSELMASCHINE - Vom Folk- und Protestsong zum Krautrock

Peter Bursch hat mit seinen in Millionenauflage gedruckten Büchern (ganz ohne Noten) Generationen von Gitarristen den Einstieg ins Musikmachen ermöglicht. Bereits 1968 gründete er mit Freunden in Duisburg BRÖSELMASCHINE, eine der ersten progressiven Rockbands Deutschlands. 2021 feiert ihr viel gelobtes Debütalbum seinen 50. Geburtstag; im Sommer wurde es in klanglich überarbeiteter Form wiederveröffentlicht. Gemeinsam mit dem Bandleader blickt eclipsed auf die Anfangsjahre der heute wieder aktiven Gruppe zurück, um Licht in die Entstehungsgeschichte einer der interessantesten Musikproduktionen der frühen deutschen Rockgeschichte zu bringen.  

eclipsed: Im Bröselmaschine-Gründungsjahr 1968 warst du 19 Jahre alt. Es war aber nicht deine erste Band?

ELECTRIC ORANGE - „Verklanglichungen“ der neokrautrockigen Art

Electric Orange, seit Anfang der 90er Jahre aktiv und mit vielen Veröffentlichungen auf der Habenseite, sind ein nicht mehr wegzudenkender, integraler Bestandteil der deutschen Neopsychedelic- und Neokrautrock-Szene. Das Quartett aus Aachen, bestehend aus Keyboarder Dirk Jan Müller, Gitarrist Dirk Bittner, Drummer Georg Monheim und dem neuen Bassisten Werner Wieczorek, spielt mit dem aktuellen Album „Psi-Hybrid“ groß auf und verrät die Hintergründe.

eclipsed: Im Gegensatz zu euren letzten Alben habt ihr „Psi-Hybrid“ weniger improvisiert, sondern mehr Stück für Stück konstruiert. Warum die andere Vorgehensweise?

Dirk Jan Müller: Nach vielen Jahren von mehr oder weniger Improvisation hatten wir mal das Gefühl, was anderes machen und in etwa so arbeiten zu müssen wie vor dem „Netto“-Album. Es gab in unserer Geschichte immer wieder Phasen, wo wir unsere Arbeitsweise umstellten.

MASTODON - Martialische Klangmedizin

Rhythmusgitarrist Bill Kelliher ist ein Baum von einem Kerl, gegen den man nicht im Armdrücken oder Fingerhakeln antreten sollte. Obwohl er auf den ersten Blick eher mürrisch wirkt, erweist er sich als charmanter Gesprächspartner. Ganz anders als etwa Tool-Frontmann Maynard Keenan verschanzt er sich nicht hinter triefender Ironie und künstlerischer Unnahbarkeit, sondern spricht ausführlich über das achte Mastodon-Werk „Hushed And Grim“ und die ihm zugrunde liegenden persönlichen Erfahrungen und Gefühle. 

eclipsed: Wie auf „Emperor Of Sand“ geht es auch auf „Hushed And Grim“ um eine emotionale Aufarbeitung eines Todesfalls im Bandumfeld. Handelt es sich demnach um eine Fortsetzung?

DION zelebriert mit seinen Freunden den Blues(-rock) und nutzt ihn als Jungbrunnen

„Ich glaube, ich habe in den letzten drei Jahren die besten Songs meiner Karriere geschrieben“, erklärt der 82-Jährige gleich zu Beginn des Interviews. Ein erstaunliches Statement für jemanden, der auf eine über 60 Jahre andauernde musikalische Laufbahn zurückblicken kann, die ihm gleich zu Beginn einige Megahits bescherte: „Runaround Sue“ und vor allem „The Wanderer“ von 1961 sind echte Evergreens und wohl die bekanntesten Songs des 1939 in der New Yorker Bronx geborenen Dion Francis DiMucci. 

Seine Geschichte ist von persönlichen Höhen und Tiefen und zahlreichen musikalischen Stilwechseln geprägt. Nach dem Doo Wop kam eine Songwriter-Phase, nach erfolgreicher Bekämpfung seiner Drogensucht erfolgte eine Hinwendung zum christlichen Glauben samt längerer Gospel-Affinität. Seit einigen Jahren hat der erklärte Hendrix-Fan Blues und Bluesrock für sich entdeckt. Diese Begeisterung führte zu einem kreativen Schub.

SCHILLER alias Mastermind Christopher von Deylen trumpft auf „Epic“ groß auf

Dass Christopher von Deylen, dessen Projekt sich „Schiller“ nennt, ein glühender Cineast ist, daraus hat der Niedersachse nie ein Geheimnis gemacht. Auch aus seiner Liebe zur Filmmusik nicht. Doch im Gegensatz zu den früheren, übrigens höchst erfolgreichen Alben hat der 51-Jährige dieses Mal alle akustischen Voraussetzungen für imaginäre Soundtracks realisiert. Er komponierte epische Klangwolken, ganz im Sinne von Tangerine Dream, Popol Vuh oder stellenweise Ennio Morricone, um diese mit einem 40-köpfigen sinfonischen Orchester im Wiener Synchron Stage Studio aufzunehmen. Der sympathische, eher scheue von Deylen ist im Gespräch nach wie vor überrascht, wie souverän und emotional das Endresultat klingt.

eclipsed: Was unterscheidet das neue Werk von den früheren?