GENTLE GIANT - Monumentale Chronik eines aufregenden Jahrzehnts

Anfang Dezember erschien ein höchst imposantes Boxset der Prog-Legende Gentle Giant. „Unburied Treasure“ versammelt auf 30 CDs nicht nur alle (neu gemischten) regulären Alben der Band, sondern auch zahlreiche (teils unveröffentlichte) Live-Konzerte aus allen Phasen ihrer zehnjährigen Geschichte. Wir sprachen mit Frontmann Derek Shulman über dieses einzigartige Weihnachtsgeschenk für Prog-Fans.

Shulman zeigte sich freudig überrascht vom unerwarteten Erfolg der Box: Noch vor der offiziellen Veröffentlichung einen Tag nach unserem Gespräch war sie schon so gut wie ausverkauft. Er stand jedoch, trotz aller Genugtuung darüber, auch nach wie vor zu der Entscheidung, die Band, und damit seine Musikerkarriere, vor fast 40 Jahren ad acta gelegt zu haben.

eclipsed: Wer hatte denn die Idee zu diesem monumentalen Boxset?

THE WHO - „Alt zu werden, ohne alt zu werden – das ist die Lösung!“

THE WHO erleben mit Mitte 70 gerade ihren dritten Frühling. Denn ihr aktuelles Album "Who" ist eine überzeugende, elf Tracks umfassende Sammlung geworden. Vor dem Attribut „Spätwerk“ sträubt man sich schon deshalb, weil die Protagonisten Roger Daltrey und Pete Townshend auf der Platte eher nach Mittzwanzigern als nach Mittsiebzigern klingen. 

Wir treffen Daltrey (75) und Townshend (74) – natürlich nacheinander, denn so weit, sich zusammen einem Interview zu stellen, geht die Liebe dann doch nicht – in einem altmodischen Hotel in der Londoner Innenstadt. Sänger wie Gitarrist von The Who sind bester Stimmung. Die Freude darüber, mit „Who“ 13 Jahre nach „Endless Wire“ wieder ein neues Album zu veröffentlichen, ist groß. 

eclipsed: Roger, dein Kollege Pete Townshend sagt, er habe dir die neuen Songs quasi auf den Leib geschrieben. Siehst du das auch so?

MAGNUM - Kontinuität und spannende Details

Seit zwei Jahrzehnten veröffentlichen Magnum mit geradezu unheimlicher Konstanz großartige Alben. „The Serpent Rings“, ihr 21. Studiowerk seit dem Debüt 1978, macht da keine Ausnahme. Zwar wird es wohl niemanden, der die Musik der Mittelengländer bislang verschmäht hat, eines Besseren belehren, doch Songschreiber und Gitarrist Tony Clarkin sorgt mit seinen Kollegen auch diesmal dafür, dass die Band nicht in Routine erstarrt.

SONS OF APOLLO - Groß gedacht – und viel Herzblut investiert

Nachdem Sons Of Apollo vor zwei Jahren ihr Debüt „Psychotic Symphony“ veröffentlicht hatten, ging es erst einmal auf Welttournee mit über 100 Liveshows in 28 Ländern. Das habe die Band zusammengeschweißt, was man dem zweiten Album nun deutlich anhöre, wie Drummer Mike Portnoy und Keyboarder Derek Sherinian nicht müde werden zu betonen. 

Zurück im Rampenlicht - SAGAhaftes Comeback für 2020 geplant

Lange hat der sich selbst verordnete Ruhestand nicht gehalten. Verkündete die kanadische Prog-Institution SAGA noch im Januar 2017 offiziell, dass nach der anstehenden „The Final Chapter“-Tour Schluss sei, so kehrt die Band nun im Frühjahr 2020 unter dem Motto „Out Of The Shadows“ in die Konzertarenen zurück, allerdings ohne Bassist Jim Crichton. Und auch in Sachen Musik gibt es Neuigkeiten.

eclipsed: Es war nur ein kurzer Abschied von den Live-Auftritten. Warum kehrt ihr so schnell wieder zurück, Michael? 

Spaß mit vier Spuren - DeWOLFF wollten back to the roots und sind nun in den Charts

Das niederländische Trio DeWolff ist bekannt für Psychedelic- und Bluesrock mit jeder Menge Retro-Charme, erinnert häufig an Deep Purple und Led Zeppelin. Hammond-Sound und Vintage-Equipment waren bei Aufnahmen und Liveshows ein Muss. Mit den „Tascam Tapes“ reduziert sich die Band nun auf einen alten Vierspur-Rekorder, einen batteriebetriebenen Synthesizer, Gitarre, ein Gesangsmikrofon sowie Drum Samples – und präsentiert sich derart von ihrer souligen Disco-Seite.

eclipsed: Wie kamt ihr auf die Idee, auf diese Weise aufzunehmen?

SOULSPLITTER verpassen dem deutschen Prog einen Frischekick

Kennengelernt haben sich die aus Mannheim, Leipzig, Hamburg und Berlin stammenden Musiker während des Studiums an der Mannheimer Popakademie. „Soulsplitter waren damals unser Bachelor-Projekt“, gibt Schlagzeuger und Hauptkomponist Fenix Gayed zu Protokoll. „Wir haben dann aber relativ schnell festgestellt, dass wir im Anschluss ans Studium schon gern mit der Band weitermachen würden“, ergänzt Gitarrist Simon Kramer im gemeinsamen Interview. „Wir stammen alle aus unterschiedlichen musikalischen Gefilden, und mit der Gründung des Projekts kam es zu einer Verschmelzung dieser Einflüsse. Aktuell haben uns Steven Wilson mit ‚The Raven That Refused To Sing‘ und Hakens ‚The Mountain‘ sehr inspiriert. Weitere nennenswerte Einflüsse sind beispielsweise Emerson, Lake & Palmer, Dream Theater und Snarky Puppy.

Rund um DAVE SCHMIDTs Sulatron-Label gibt es einiges zu feiern

Wo er recht hat, hat er recht. „2020 sind das dann aber schon 16 beziehungsweise 11 Jahre“, bemerkt Dave Schmidt – stimmt, dieser Artikel erscheint ein paar Tage zu spät. 2004 gründete Schmidt, eine der schillerndsten Figuren der hiesigen Space-Psychedelic-Szene, Sulatron Records und 2009 die Band Electric Moon. Wie kam es überhaupt zur Gründung des Labels? Schmidt gesteht frei heraus: „Was soll so ein Musikfanatiker sonst machen, wenn er grad keinen Job hat und auch irgendwie nicht fähig ist, einen normalen Job auszuüben?!“ Label-Boss ist ja schließlich auch ein Job. Und den erledigt er gut, denn über 100 Releases hat Sulatron bislang herausgebracht. Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. „Es ging gemächlich los und hatte ca. 2012 seinen Peak. Nun läuft es auf einigermaßen brauchbarem Level. Vom Krautrock-Revival oder Vinylboom ist leider nicht wirklich mehr was zu merken, und die CD-Verkäufe gehen auch deutlich zurück.“